Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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wenig zu, als man jener andern aus geistiger Schwäche sich erge-benden bewusst wird. Allein sie beginnt und verräth sich häufiggenug, wo für Verwirklichung des Gedankens die vorhandneu Mit-tel nicht gemäss verwendet worden sind, wo der Künstler zu kühl,zu fern von der geistsinulichen Glut der Begeisterung für seine Ideegeblieben, oder zu fahrlässig oder flüchtig gewesen ist, sein Ge-dankenbild zu vollsaftigem Leben heranreifen zu lassen.

Es ist nicht zu leugnen, dass besonders ein Theil der Mo-zartschen Klavierkompositionen solche Unzulänglichkeit inder Darstellungsweise an sich trägt. Einmal war das Instrumentselber noch weit von seiner heutigen Vervollkommnung entfernt, ja,man möchte es fast ein andres Instrument nennen. Das Hämmer-werk war leicht und schwach, die Saiten dünn, von geringer Schall-kraft und leicht zu sprengen, daher musste das Spiel leicht, fein undfern von der Fülle und Kraft sein, die es mit Hülfe der spätemVervollkommnung des Instruments zu seinem grossen Vortheil an-nahm. Dann war die Spielfertigkeit, deren es zu vollem und glän-zendem, oder intensivem Darstellungen bedarf, noch nicht so weitausgebildet und ausgebreitet, wie jetzt; Mozart selbst würde nachdieser Seite nicht mit unsern heutigen Virtuosen in die Schrankentreten können, so weit er ihnen auch an geistiger Kraft überlegenwäre. Endlich aber ist Mozart in der Hast und vielfachen Be-dingtheit seines kurzen Lebens gar oft veranlasst gewesen, sichmehr nach dem Geschmack, nach den Fassungs- und Darstellungs-kräften der Zeitgenossen zu richten, als ihm selber für seine eigent-lichen Intentionen recht und lieb war; er hat es oft genug gestandenund schmerzlich beklagt, dass er seinem Berufe nicht noch freierund reicher (er, der Ueberreiche!) leben könne. Und so gereichtuns die ßegräuzung eines der grössten Künstler aller Zeiten zurMahnung, für unsre Vollendung umsichtig und rastlos eifrig Sorgezu tragen, damit wir wenigstens nicht durch eigne Versäumniss dieMängel vergrössern, die mindere Anlage und ungünstige Verhältnisseunsern Werken anheften.

Gleichwohl liegt gerade dieser Abweg, den wir oben als denphantastischen haben bezeichnen müssen, neben einem Pfade, deroft schon zu den tiefsten Offenbarungen geführt hat. Es giebt ebenTonvorstellungen, die nirgends vollgenügende Verwirklichung finden,die sich unvorhergesehn und unabweislich aus dem klar und treu-lich innegehaltnen Lebenskreise des Instruments, an den eine Schö-pfung gewiesen ist, hinaus- und emporheben. Im Künstler ruhnvielerlei Vorstellungen, im Tonkünstler sind deren einige orchestra-len, andre vokalen Gehalts, andre gehören dem Klavier an; daslässt sich nicht immer scharf, wie mit einem Scheermesser trennen.Und gerade das in sich unbefriedigende Naturell des Klaviers reizt