A.
Die nachbeelhoven’sche Richtung’ der Klavierbehandlung.
Zu Seite 25.
In allen Künsten und Kunstschöpfungen trifft man bei tiefemEindringen auf einen nie ganz zu überwindenden Zwiespalt zwi-schen Inhalt und Ausgestaltung. Das Ideal findet seiner Natur nachkeine vollkommen entsprechende Verkörperung; der Künstler musssich am möglichst Erreichbaren und Entsprechenden genügen lassen— und Ergänzung des unerreichbar Gebliebnen von der Sympathieund Phantasie der Hörer oder Schauenden erwarten.
Dies muss um so häufiger der Fall sein, je weiter der Stoff,in dem der Künstler arbeitet, hinter den in der Sache liegendenErfodernissen zurückbleibt. Die Musik fodert Schallmacht, Klang-reichthum, Ausdauer und Anwachsen des Tons, Verschmelzung derTöne zu Messendem Gesänge, Durch- und Gegenselzung verschied-ner Stimmen gegen einander, — und wir haben erfahren müssen,wie viel das Klavier von all diesen Ansprüchen unerfüllt lässt.
Der bequemste Ausweg ist der, den die Mehrzahl der Virtuo-sen, tonsetzenden Klavierlehrer und Salonkomponisten geht: sierichten ihren etwaigen geistigen Inhalt nach dem technischen Ver-mögen des Instruments zu, — oder vielmehr, sie haben keinenandern Inhalt mitzutheilen, als den aus ihren technischen Studienam Instrumente geschöpften. Bei ihnen lenkt nicht der Geist dieHand, sondern die Hand ist der Geist. Daher haben sie kein Be-denken getragen, wahre Kunstwerke (namentlich Beethoven’s),die über jene Gränze hinausgingen, für „nicht klaviermässig“ zuerklären, — oder, seit es nicht mehr thunlich scheint, sich ihrerzu enthalten, sie nach eigner rein technischer Weise herunlerzuar-beiten, unbekümmert um den tiefem Inhalt.
Diesem Abwege gegenüber steht der andre: sich, ohne Rück-sicht auf Verwirklichung am Instrumente, seinen Tonphantasien hin-zugeben. Die Idee des Künstlers ist aber kein wesenloses Phan-tom, sondern ringt nach Verwirklichung; das eben ist der schöpfe-rische Drang im Künstler, ohne den das Brüten des Geistes nurleerer Traum bleibt. Man gesteht sich diese Verirrung meist so