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Merkensvverther für das Studium , als alle diese mehr von denBedingungen der Scene abhängigen Kombinationen, ist der schonS. 538 erwähnte Einleitungschor der Matthäi’schen Passion. DieserChor musste sowohl nach dem in Frage und Entgegnung auseinan-dertretenden Text, —
Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen,
Sehet — ,,\veii?“ — den Bräutigam,
Seht ihn — „w'ie?“ — als wie ein Lamm,
Sehet — „was?“ — seht die Geduld,
Seht — „wohin?“ — auf unsre Schuld
u. s. w.
als in Uebereinstimmung mit der ganzen Auffassung des Werkessich als Doppelchor gestalten; zu beiden Chören tritt aber, voneinem dritten Chor von Diskanten*) gesungen, der Choral: ,,0Lamm Gottes, unschuldig“. Hier war also ein dreifacher Chornothwendig; aber in seiner Gesammtheit zählt er nur neun Stimmen,und der Choral stärkt vielmehr in seinem gleichförmigen Einher-schrilt die Haltung des Ganzen, als dass er sie stören könnte.
Dergleichen seltene und dann bei zweckmässiger Auffassung insich selber vereinfachte und erleichterte Fälle ausgenommen, dürfenwir die Anwendung von drei- und vierfachen Chören als unange-messen, keinen wesentlichen Vortheil, sondern enlschiednen Verlustau der Rüstigkeit und Macht des einfachen und Doppelchors bringend,mithin als unkünstlerisch von uns weisen. Nur in der Periode derNiederländer, der altrömischen und venedischen Schule wurde dieKraft der Musik in solchen (und noch viel weiter gehenden)**) Auf-thürmungen gesucht, die, wie schon S. 527 erwähnt, ersetzen soll-ten , was der Kunst an geistigen Mitteln und Bildung noch nichtzugewachsen war; die Hinterlassenschaft dieser Zeit — und in ihrauch der dreifachen und vierfachen Chöre — ist dann von histori-schen Kunstdileltanten in einem, seinem Ursprung nach löblichenliebevollen, aber unerlcuchtclen Eifer überschätzt worden, kann je-doch die unbefangne Prüfung dessen, der mit dem Wesen unsrerKunst vertraut ist, nicht von den absoluten Gesetzen abwenden,unter denen das Werk des Künstlers entsteht, muss vielmehr eriäh-rungsgemäss bestätigen, was umsichtige Erwägung schon im Vor-aus zu erkennen vermag. Mit der Anzahl der Stimmen und Chörewächst die Schwierigkeit, die einzelnen Stimmen zu individuaii-
*) Es ist Soprano ripieno vnrgesctirieben; die vielfache Besetzungdieser Stimme würde sich auch von seihst verstehn, da eine Solostimme nichtzwei Chöre und Orchester beherrschen könnte.
**) Dass man endlich auch pedantische Eitelkeit mit der (so wohlfeilen !)Kunst vielstimmigen Satzes getrieben, zeigen Versuche: für zw ölf Chöre(s ch e i n b a r a c h t u n d v i e r z i g s t i in m i g!) zu setzen. Diesmal waren nichtDeutsche die Pedanten, sondern Italiener.