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Vierter Abschnitt.
Der drei- und vierfache Chor.
Die Macht des Doppelchors beruhte im Wesentlichen darauf,dass ein Chor dem andern entgegengesetzt werden konnte. Hierzusind also zwei Chöre erlöderlich. Wie viel gegen diesen Gewinnan Beweglichkeit, Formreichthum u. s. w. eingebiisst wird, habenwir gesehn.
Die Verknüpfung von drei und mehr Chören bringt keinenneuen wesentlichen Gewinn und häuft die Schwierigkeiten und Hin-dernisse, die wir schon bei dem Doppelchor anerkennen mussten.Zwölf, sechszehn reale (wesentlich verschiedne) Stimmen sind, zu-mal im Bereich der Singstimmen, nicht zu führen; und wenn siezu führen wären, so würden sie vom Hörer nicht unterschiedenwerden können, mithin blos als volle Masse wirken. Hierzu genügtaber der Doppelchor (wenn nicht schon der einfache) vollkommenund lässt dabei doch die Weise der einzelnen Stimmen klarer durch-klingen. Wir werden später (im vierten Tlieil des Lehrbuchs) er-fahren, dass im Orchester zwölf und mehr verschieden gebildeteStimmen' mit einander zu guter Wirkung geführt werden können.Dies ist desshalb der Fall, weil derselbe Gedanke von verschiednenInstrumenten verschieden dargeslellt werden muss und, wenn sichverschiedne Instrumente zu demselben Satze jedes in seiner Weisevereinen, man nicht das einzelne Instrument hören will und hört,sondern nur die Gesammtwirkung aller in ihrer Verschmelzung.Mit Singstimmen verhält es sich anders. Das Organ des Menschen,gewidmet der bestimmten sprachlichen Aeusserung, ist ein zu per-sönliches, zu geistvolles, als dass man seine Vermischung zu un-unterscheidbarer Masse billigen könnte.
Aus diesen Gründen hat der drei- und vierfache Chor seit derhöhern Ausbildung unsrer Kunst bei den Meistern keine Anwendunggefunden, ausser in solchen Gestaltungen, in denen zwar drei, vierunterschiedne Massen, nicht aber drei oder mehr vollständige Chöreauftreten. In dramatischen Sceneu kann es bisweilen nothwendigwerden, drei und mehr Massen gegen einander zu führen; in denOpern Spontini’s und Meyerbeer’s sind dergleichen Kombinatio-nen zu treffen. Allein dann wird einer oder werden mehrere derChöre durch eine einzige Chorabtheilung oder Chorstimme vertreten,Tenöre und Bässe bilden z. B. einen oder zwei, Diskant und Alteinen oder zwei andre Chöre, die eine Partei wird von dem Chor-bass, zwei andre werden von andern Männer- und den Frauenstim-men dargestellt, so dass bei dem Zusammentritt aller doch nur vierbis acht Stimmen Zusammenwirken.