zugsweis doppelchörig angelegtes, weitumfassendes Werk einzuleitenund fand sowohl hierin, als schon im Text’ entscheidende Gründezn seiner Form. Wo ihn aber nicht die Lage der Sache selbstnöthigte, ging er mit seinen ChoralBgurationen stets vom Doppelchorauf Vierstimmigkeit zurück; so in demselben Werke mit dem denersten Theil schliessenden Choral: ,,0 Mensch, bewein’ dein’Sündegross“, so in der zweiten, bei No. 514 angeführten Motette. Auchdie bei No. 509 angeführte Motette geht bei einer später eintreten-den Choralfiguration auf den einfachen Chor zurück.
So ist denn vorzugsweise der Satz, oder eine Folge vonSätzen, motettenartig verbunden, die Form, die der Doppelchorannimmt; den Satz kann er in überlegner Fülle und Energie hin-stellen und abthun, entweder sofort schliessend, oder nach befrie-digendster Erledigung des ersten einen zweiten mit gleichem Nach-druck folgen lassend.
Wie viel solcher Sätze in einem Gusse folgen dürfen? — daslässt sich im Allgemeinen nicht bestimmen. Nur so viel ist gewiss,dass mit der Zahl der an einander gereihten Sätze der Antheil unddie Dauerkraft des Schaffenden wie des Hörenden von den vorange-gangnen Sätzen durch die nachfolgenden abgezogen, zerstreut, end-lich geschwächt und zersplittert wird, dass man sich also liier, beider Gewichtigkeit des Organs und der Aufgaben, möglichst zu be-schränken wohl thut. Die ßach’schen Motetten haben zum Theilgrosse Ausdehnung; man kann aber selbst von ihnen nicht sagen,dass ihr allerdings unschätzbarer Werth mit der Ausdehnung ingleichem Verhällniss Stand’; vielmehr dürfte eben einigen der be-schränktem Sätze die höchste Vollendung zu Theil geworden sein.Unvergleichlich stehn dagegen die Doppelchöre der Matthäi’schenPassion da, die fast alle auf den Raum weniger Takte, auf einenoder ein Paar Sätze beschränkt sind und in dieser Begränztheit dieKraft gefunden haben, die bedeulungvollsten Momente der ewigenGeschichte in der Fülle ihres tiefen Inhalts hinzustellen.
Eben so w r enig lässt sich im Allgemeinen vorausbestimmen, inwelcher Wahl und Folge die Mittel, die der Doppelchor anbietet,zur Anwendung kommen sollen. In der Regel wird man mit demVerein beider Masseu, oder auch mit der Rückkehr zum einfachenChor, als der einheit- und nachdruckvollsten Verwendung des Gan-zen, zu scbliessen wünschen; gern wird man (S. 530) zu Anfangdie Massen sondern, um so das Organ in seinen Hauptpartien klarauseinanderzusetzen. Allein dergleichen Regeln oder Rathschlägemüssen stets der Anfoderung der jedesmaligen Aufgabe weichen,oder ergeben sich dem bis hierher Vorgedrungnen von selbst.