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einfachen Chor begnügen. Händel hat in seinen Oratorien fastnur den einfachen Chor gebraucht; in Israel in Aegypten weichter von diesem Grundsatz ab, wahrscheinlich um den einzelnen Haupt-momenten dieses Oratoriums ein um so grösseres Gewicht zu ver-leihn, je weniger das Werk als Ganzes, durch eine künstlerischwohlerwogne Anordnung, der Grossheit und Macht des Händel’schenGeistes, wie derselbe sich im Messias und anderwärts bewährt, zuentsprechen scheint. Dazu aber kommt, dass die acht Stimmen derDoppelchöre meist zu sieben, sechs, vier realunterschiednen Stim-men zusammengezogen werden. Auch Bach hat meist vier- undfünfstimmig in einfachem Chorsatz geschrieben; nur in einigen Mo-tetten greift er in Ermangelung einer Ruhepunkte gewährenden Be-gleitung und, hier sowohl wie in der Matthäi’schen Passion, bewo-gen durch die besondre Macht der Konzeption, zu der Form desDoppelchors. Wenn aber die ältern Komponisten (der niederländi-schen, alt-italienischen und alt-deutschen Schule) häufigem Gebrauchvon Doppel-, ja drei-, vier- und mehrfachen Chören gemacht haben:so thaten sie es, um durch Stimmfülle und Stimmwechsel zu er-setzen, was ihnen an reicherer und bedeutungsvoller Entfaltung derMelodie, der Rhythmik, der Kunstlörmeu, kurz aller Elemente undGestaltungen noch nicht gegebeu war, was erst im Lauf der letztenzwei Jahrhunderte dem rastlosen und allseitigen Vordringen des künst-lerischen Geistes erreichbar wurde; abgesehn davon, dass sie oftdem Ritus ihrer Kirche und dem in gewissen Perioden hervortreten-den Bedürfniss derselben, auch die Musik sich in besondrer Prachtentfalten zu lassen, unbedingt Folge leisten mussten.
Zweiter Abschnitt.
Der doppelchörige Satz.
Nachdem wir im vorigen Abschnitt das Wesen und die Bedingungdes Doppelchors im Gegensatz zum einfachen Chor bezeichnet unddessen Spuren schon im letztem (No. 500 bis 505) aufgefunden, bleibtnur wenig über die Komposition selbst zu sagen. Was nämlich vomeinfachen Chor und den für denselben sich darbietenden Kunstformengezeigt worden, gilt vom Doppelchor ebenfalls, so weit nicht der diesemeigne Inhalt die Umgestaltung der Formen bedingt. Wie aber undwie weit dies geschieht, werden wir leicht erkennen, sobald wir unsdie dem Doppelchor eigenthümlicben Aufgaben (wenigstens die wesent-lichem) vergegenwärtigt haben. Es fragt sich also zunächst: