welcher die Hauptgedanken gegen und in einander gearbeitet wer-den) abgeht, ja, dass sie selbst den festem Abschluss der Rondo-form, auf einen Hauptsatz zurückzukommen, nicht immer hat: istklar; der aufklärende und schnellfassliche Zusammenhang des Textesmuss und kann hier dem Mangel festem musikalischen Verban-des ergänzend zu statten kommen. Doch ist allerdings Bedacht zunehmen, dass dieser Mangel nicht durch allzugrosse Häufung derSätze und willkührliche oder unentschiedne Modulation ein unüber-tragbarer Fehler werde.
Wenden wir uns nun zum Praktischen zurück. Es wird dabeinur der Anschauung fertiger Werke bedürfen, da die einzelnen an-zuwendenden Formen uns geläufig sind. Zuerst fragen wir nachdem Text.
Könnte jener S. 506 aus dem Matthäus angeführte Text Mo-letlenform erhalten? — Nein. Kein einziges seiner Glieder ist fürsich so wichtig, dass es einer abgesonderten und dabei nachdrückli-chen Behandlung bedürfte. So sehen wir auch (Beilage III), dassBach zwar die einzelnen Glieder der Deutlichkeit wegen von einan-der gesondert, keines aber anders als flüchtig vorübergehend, keinesmit dem Nachdruck einer fest ausgeprägten Form behandelt hat;eben das hastige, von Erbossung und Sorge aufgestachelte Vorüber-drängen war Karakter des Moments und der Komposition,
Wäre der S. 507 angeführte Händel’sche Text zur Motette ge-eignet? — Nein. Soll er entschieden, wie es die Art der Motetteist, zerlegt werden, so kann das sinngemäss nur in zwei Abschnittegeschehen:
1. Denn die Ehre des Herrn wird offenbaret;
2. alles Fleisch mit einander wird sehen, dass Jehovah’s Mund ge-redet hat.
Beide Sätze sind nur ein und dieselbe Ankündigung des zu Erwar-tenden (der Geburt des Heilandes) von zwei verschiednen Gesichts-punkten; kein Satz ist ohne den andern genügend, aber auch keinerfür den Zweck der Verkündigung von vernehmlicher Wichtigkeit,— Gott soll sich verherrlichen durch Erfüllung des Verheissnen,aber die Menschen mit einander müssen es erkennen. Folglich kön-nen die Sätze nicht motettenartig nach, sie müssen mit einanderauftreten. Also könnten sie vielleicht gegen und mit einander aufge-führt werden in Form der Doppelfuge? Das erlaubt schon die Aus-dehnung nicht, auch würde in dem Gegeneinander der beiden Sub-jekte die Deutlichkeit eines jeden beeinträchtigt zu Gunsten dermusikalischen Gesammtwirkung. Folglich mussten die Sätze herold-artig verkündet werden, sich hin und wieder ablösen und in diesemVorüberspielen jeder seine Deutlichkeit, keiner ein ungebührlichesMarx, Komp. L. III. 3. Aufl. 33