Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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512
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ist nur Theil eines grossem und zusammenhängenden Ganzen; keinerkann sich also in solcher Fülle und Breite vollenden, wie wenn erfür sich allein auflräte, jeder muss zusammengedrängt auf seinenwesentlichen Inhalt vorübergehn, um sich schnell geltend zu machenund dann dem Folgenden zu weichen, ohne dass das Ganze in un-günstiger Breite auseinanderfliesse. Namentlich die Fugensätze wer-den mit einer einzigen Durchführung abzufertigen sein ; oder wennsie eine zweite (oder eine einzige übervollständige) fodern, so wirdman sich um so weniger mit den Beiläufigkeiten langer Zwischen-sätze aulhalten dürfen. Auf diesem Punkt erkennen wir also schondie Macht und grosse Bedeutung der Motettenform : jeder ihrer Sätzedrängt seine ganze Kraft auf den möglichst engsten Raum zusam-men. Hierin liegt aber auch, beiläufig gesagt, der Unterschiedder Motettenform von den S. 505 u. f. betrachteten Figuralformen.Auch diese berühren und verknüpfen mancherlei Sätze. Aber siegehn leicht über sie dahin, während die Motettenform jedem dasvolle Gewicht einer vorzüglichen Bedeutung giebt.

In der uneingeschränkten Reihe versebiedner Sätze, die sich inder Motette zu einem Ganzen verknüpfen, können, wie gesagt, auchFugensälze ihre Stelle finden. Wir setzen jetzt zu: auch Doppel-fugensälze; auch zwei, ja möglicherweise mehr Subjekte könnennach einander durchgefiihrt werden. Diese unterscheiden sichdann von der ersten Form der Doppelfuge (Th. II, S. 462) dadurch,dass die Subjekte nur nach, nie gegen einander zur Durch-arbeitung kommen. Wir werden hier an die schon bekannteForm des fugirten Chorals erinnert; er giebt sich jetzt als Mo-tette zu erkennen, aber als eine einseitig ausgebildete, nur auf Fu-gensätze beschränkte. Diese Beschränkung ist kein Fehler, sondernvielmehr die Form, in der der Inhalt des Chorals zur reichsten undmachtvollsten Geltung kommt. Aber die Motettenform ist zu man-nigfaltigem Gestaltungen befähigt.

Die Verknüpfung aller dieser Sätze wird nun

1) durch ihre ununterbrochne Folge,

2) bisweilen, aber nicht nolhwendig, durch verbindendeGlieder oder Tonsätzchen,

3) durch eine zweckmässig geordnete Modulation, die jedemder verschiednen Sätze den bestimmten Sitz in der ge-sammten Folge der Tonarten anweiset,

4) bisweilen durch Zurückführung auf den ersten Satz,der damit gleichsam als Hauptsatz erscheint,

5) bisweilen auch durch weite, vollgenügende Ausfüh-rung des letzten Satzes, der sich damit als Ziel allervorhergehenden darstellt,

bewirkt. Dass dieser Verbindung die Kraft der Sonatenform(in