es könnten Rezitative, Fugen, Duette, Instrumentalsätze in beliebi-ger — nach dem jedesmaligen Text sich bestimmender Auswahl undAnordnung an einander gereiht werden. In solcher Weise hat unterandern Seb. Rach seine Motette: ,,Jesu meine Freude“ geschrie-ben. Ueber diese Kompositionsweise ist hier nicht weiter zu reden.Sie ist nicht eine besondre Kunstlörm, sondern eine Reihe vonToustücken in verschiednen theils uns schon bekannten, theils nochkünftig zu betrachtenden Formen.
Zweitens bezeichnet das Wort Motette eine wirkliche fürChorkomposition bestimmte Kunstform, über die wir uns hier nochzu verständigen haben. Dass diese Form wie alle Gesangformenihren Grund in der Beschaffenheit des Textes hat, muss schon (S.382)vorausgesetzt werden. Wir knüpfen daher bei dem Text an.
Die bisher betrachteten Chortexte — abgesehn für jetzt von denliedförmig oder figural zu behandelnden — zeigten einen Haupt-gedanken, der das Thema einer einfachen Fuge, oder zwei oder dreiHauptgedanken, die die zwei oder drei Subjekte einer Doppel- oderTripellüge werden konnten, mithin eine dieser Fugenformen begrün-deten; die Beiläufigkeiten, die in die Zwischensätze, in Einleitungund Schluss der Fuge treten konnten, lassen wir hier bei Seite.
Schon für die Tripelfuge war der Anlass selleu ; selten lodertein Text diese Form, und wir haben längst (Th. II, S. 496) einselmmüssen, dass mit der Zahl der Subjekte die Klarheit und Wirksam-keit jedes einzelnen in gleichem Verhältniss abnimmt. Wie also,wenn sich ein Text darbietet, der selbst das Maass der Tripel-fuge überschreitet, dessen Glieder eine volle und fasslich eindring-liche Behandlung fodern, nicht blos ein Zueinanderdrängen, wie dieDurchführung mehrerer Subjekte mit einander, — auch nicht ein flüch-tiges Ueberhingehn, wie die Figuraisätze? — Unser erster Gedankemuss sich hier dahin richten, dass dann jedes der Glieder abgeson-dert für sich zu behandeln wäre, wie in der Motette erster Art.Wie aber, wenn die Glieder bei aller besondern Wichtigkeit dochauch wieder so eng zusammengehören, dass sie nicht getrennt werdendürfen? — Dann müssen die verschiednen Sätze sich zu einem eini-gen Tonstücke verbinden. Dies ist die Kunstform der Motette.
Hier nehmen also wieder die einzelnen Sätze verschiedne Ge-stalt an; es können liedförmige, figurale, Fugeusätze in beliebigerZahl und Ordnung neben einander treten. Aber diese verschiednenSätze verknüpfen sich zu einem einigen Ganzen.
Jede der einzelnen Formen, die hier sich verbinden, ist unsschon bekannt, bedarf also keiner weitern Erörterung. Es wirddaher nur auf die Anwendung und Verknüpfung ankommen.
Jeder der anzuwendenden Sätze, namentlich auch die Fugensätze,