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wird und unter dem fröhlichen Schall des Orchesters zu dem frischen,ganz homophonen Ausspruche des letzten Textabschnitts vom ganzenChor führt, mit dem, wieder auf derDominante, ein Schluss — gleich-sam des ersten Theils erfolgt.
Wieder beginnt das Spiel der ersten Sätze (No. 488 und 490)und führt zu dem letzten in Gdur; nochmals angeknüpft führt es indie Unterdominante zum letzten Satze; und zum letzten Mal machenbeide Partien mit einem freien Anhang und einem Nachspiel desOrchesters über das Motiv von No. 487 den Schluss.
Schon die Lockerheit dieser Bildungen zeigt, dass sie sich aufdie mannigfaltigste Weise ausführen lassen. Sie nähern sich aufder einen Seite der Satz- oder Liedform, auf der andern der Fugen-form, in andrer Beziehung der Form der Motette, die wir imfolgenden Abschnitte kennen zu lernen haben. Ja, es kann unsnicht befremden, wenn wir bisweilen auf Gebilde treffen, die eseinigermassen zweifelhaft lassen, ob sie freigehaltne Fuge oder fu-genähnliche Figuration, ob sie Figuration oder vielleicht schon eineleichtere Motettengestalt sind. Dergleichen zwei- oder mehrdeutigeGestaltungen linden sich stets und nothwendig auf der Gränze ver-wandter Formen; wir haben sie schon öfter als die Punkte be-zeichnet, auf denen die Formen in einander übergehn und gegeneinander frei werden, ihre Schranke überwunden haben.
Siebenter Abschnitt.
Die Motette.
Der Kunslausdruck Motette*) bezeichnet zweierlei KunstformeiuErstens werden Kirchenkompositionen so genannt, denen einliirchenlied mit oder ohne beigemischte biblische Sätze — oder aucbeine lieihe von Bibelstellen als Text zum Grunde liegen und in denendie verschiednen Sätze des Textes als abgesondert für sich bestehendeTonstücke behandelt sind. In einer Motette in diesem Sinne des Wortskönnte also der erste Liedvers als einfacher oder ligurirter Choral,der zweite als Arie, der dritte als fugirler Choral u. s. w. behandelt,
*) Er hat auch zweierlei Ableitungen, die jenen zwei Bedeutungen wohlentsprechen. Nämlich einmal hangt er (aus der Zeit der niederländischen Schule)mit dem französischen Worte mut zusammen, das bekanntlich „Wort“, in alterSprache aber vorzugsweise „Bibehvorl“ (wie unser deutsches „Spruch“) bedeu-tet. Motette war’ also eine Komposition von Bibelstellen. Dann aber (beson-ders bei den altern Deutschen) wird Motette (alt: Mutete) von mutare (ver-ändern) abgeleitet und deutet auf Veränderung der „Kompositionsweise“, aufdas Abgehn von einer Weise oder Form auf die andre.