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3 (1857)
Entstehung
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480
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Andern Sätzen fehlt bald die feste Abgeschlossenheit ihres In-halts, z. B. Ps. 57, 2, Ps. 56, 2, Ps. 71, 5

Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig; denn auf dich trauet meineSeele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bisdass das Unglück vorübergehe,

Gott, sei mir gnädig, denn Menschen wollen mich versenken; täglichstreiten sie und ängstigen mich,

Denn du bist meine Zuversicht, Herr, Herr, meine Hoffnung von mei-ner Jugend an,

(abgesehn von manchem nicht Tongemässen in ihnen), bald ist schondie Form der Abfassung und zwar besonders die Fragl'orm, z. B.Ps. 74, 1,

Gott, warum verstössest du uns so gar?wegen ihres unfesten, in sich unbefriedigten Abschlusses der Ueber-tragung auf ein Fugenthema ungünstig.

Wir haben oben mit Recht verlangt, dass der Text, wie dasThema der Fuge, ein für sich abgeschlossner Satz sei, also vorallen Dingen für sich selbständigen Sinn gebe. Diese Foderungbedarf, sobald wir bei der Vorstellung einer für sich allein stehendenFuge beharren, keiner weitern Rechtfertigung. Sobald aber die Fugenur Theil eines grossem Ganzen ist, kann ihr Thema gar wohl aneinen Satz geknüpft, ein Satz ihr zum Thema werden, der nur inBezug auf elwas Vorausgehendes seine volle Verständlichkeit undBedeutung gewinnt. Wenn z. B. Händel in seinem Messias dieWorte

Durch seine Wunden sind wir geheilet,oder in seinem Israel die Worte

Sie konnten nicht trinken das Wasser, dennder Strom war verwandelt in Blut

für eine Fuge benutzt, so kann allerdings keiner dieser Sätze ohnedie vorausgehende Mittheilung, dass der Heiland es sei, durchden wir unser Heil finden sollen, dass der Strom der Aegvpter zuihrer Plage verwandelt sei, vollkommen verstanden werden.Allein diese Vorausschickung ist ja erfolgt; und, sie vorausge-setzt, geben die Texte einen genügenden und für die sie Bekennen-den oder Aussingenden bedeutsamen Sinn*).

*) Hiermit findet auch ein öfters, unter andern von Gottfr. Weber ge-gen einen Theil des Messentexles angeregtes Bedenken seine Erledigung. Sehrhäufig und so auch in Mozarts Requiem sind die Worte Quam olim Abrahaepromisisti et semini ejus zu einem Fugenthema benutzt, durchfugirt worden.Allerdings geben sie für sich allein keinen Sinn, sie sagen nicht, was verspro-chen ist und wer versprochen hat. Allein aus dem vorhergehenden Text wissenwir, dass es die lux sancta oder vita aeterna ist, die Gott seinem Volke ver-heissen hat; und dies vorausgesetzt, giebt der Fugentext einen nicht hlos ver-ständlichen, sondern für die, die auf Erfüllung der Verbeissung hoffen, auchaoregenden, heherzigenswerthen Sinn. Es kommt dazu, dass die Komponisten