Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
479
Einzelbild herunterladen
 

479

eiugefiihrt werden; dies ist aber keineswegs nöthig, es muss viel-mehr als Ausnahme gelten und einer Fuge, die ihren ganzen Inhaltaus dem Thema allein, oder aus Thema und Gegensatz gewinnt, derVorzug grösserer Einheit beigemessen werden.

Das Thema der Fuge ist, wie wir ferner wissen, deren Hauptge-danke, derjenige, aus dem und um desswillen die ganze Komposi-tion entsteht, muss also vor allem ein bestimmter, also in sich selbstabgeschlossner und für sich redender, für sieh selbst, verständli-cher sein, das heisst: er muss nach luhalt und Form ein Satzoder eine Periode sein.

Ausserdem begehren wir von ihm mit Recht eine Wichtig-keit, die es werth erscheinen lasse, der Kern einer ganzen Kom-position zu sein, und endlich eine Ausdehnung, die es we-der zu kurz vorübergehend, noch zu umständlich für seine Bestim-mung erscheinen lasse.

Dies sind die uns schon bekannten Haupterfoderuisse des Fu-genthemas. Hiernach lassen sieh die Erfodernisse des Fugentextesmit Sicherheit erkennen. Wir müssen dabei, wie bei der Fugeselbst, unterscheiden, ob das Thema also der Text desselbenalleiniger Inhalt der ganzen Fuge sein, mithin auch den Stoffzu Gegen- und Zwischensätzen geben soll, oder ob ausser ihm nochanderweite Motive oder Gedanken für Gegen- und Zwischen-sätze herbeigezogen werden. Auf diesen zweiten Fall kommen wirzuletzt.

1. Inhalt und Form des Textes fiir ein Fugenthema.

Das Nächste, was wir vom Text für ein Fugenthema verlan-gen, ist: dass er einen bestimmten, in sich geschlossnen Gedankenausspreehe, der nach Kraft und Gestalt zu einem Thema werdenkönne, zum Vereinigungs- und Mittelpunkte für einen Chor undzur Hauptidee einer Fuge. Auch hier werden wir wieder an dieBibel gewiesen, die uns die glücklichsten Aufgaben zur Ausführung,oder Vorbilder zur Nachbildung darbietet. Sätze wie

Herr, strafe mich nielil in deinem Zorn,

Gross sind die Werke des Herrn,

Wollt dem, der den Herrn fürchtet,

(Ps. 38, 2, Ps. 111, 2, Ps. 112, 1) entsprechen nach der in ihnenausgesprochnen oder für sie voraussetzlichen Stimmung und nachihrer festen Abgeschlossenheit sofort der Vorstellung, die wir voneiuem Thema bereits mitbringen. Dasselbe gilt von diesen Sätzen,

Herr, ich traue auf dich ; lass mich nimmermehr zu Schanden werden,

Ich hoffe auf den Herrn, darum werde ich nicht fallen,

(Ps. 71, 1, Ps. 29, 1), die durch ihre zwei Glieder vielleicht perio-dische Gestaltung veranlassen würden.