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in dem keine Stimme einen wahrhaft eigenthiimlichen Gang nimmt,ein wahrhaft karakterislischer Inhalt w r eder in der Melodie, nochim Rhythmus, noch in der Harmonie aufzuweisen ist, wirkt dochdurch das edelste Organ, die Menschenstimme, — durch den höch-sten Aufwand desselben, die Vielstimmigkeit, — in einer Weise,die neben aller anderswo zu findenden Wirkung geradezu unerreich-bar, unersetzbar zu nennen ist. Der Chor ist eine einzige Persongeworden, —- kaum das kann man hier sagen, wo es an jeder ent-falteten Karakteristik mangelt, — er ist blos der Mund, durch dender Tondichter das inhallschwere Wort ausspricht, — blos aussprichtmit Ernst und Gewicht: und schon hier übt das Tonwort eine Machtaus, die nur von der Macht des bewegten, das Wort des Dichterszu vollem Lebenslauf erhebenden Geistes überragt wird. Nicht un-bemerkt wollen wir lassen, dass Händel in künstlerischer Weisheithier das Rechte gegeben, nicht Weiteres geben konnte und durfte.Das Gebot Gottes und die Erfüllung, beides ist nur ein Moment,der nur ausgesprochen, nicht in Weisen durchgelebt und ausgebreitetsein wollte; sein Gewicht, seine Bedeutung mag Jeder im stillenGeist erwägen, seine Folgen mag der Fortgang des Oratoriumsbringen.
Es ist höchlich zu wünschen, dass der Jünger sich ganz erfüllevon der Macht der einfachsten Chorweise, damit sie ihm in ihrerFülle zu rechter Zeit zu Gebote stehe. Erst von ihr aus ist derFortschritt zu den reichern Gestaltungen mit vollem Gefühl und Er-folg zu thun.
Sobald wir nun den leichtesten Fortschritt aus dieser absolutenEinigkeit aller Chorstimmen hinausthun, erfahren wir, mit wie über-legner Gewalt das Wort des Dichters zur Beseelung und Wirksam-keit dringt, wenn die Chorstimmen aus ihrer Fessel treten, sichindividualisiren zu eigenthiimlichen Personen. — Hier kommt uns,wie geschaffen zur Uebergangsstufe, eine Behandlung des Chorals
Christus, der ist mein Le-ben, Sterben ist mein Ge-winn,
von Seb. Bach*) zu Hülfe. Der Choral wird, wie schon seineerste Strophe zeigt, —
*) Aus der musterhaften Ausgabe von ,,J. S. Bach’s vierstimmige Kirchen-gesänge (Choräle), geordnet und mit einem Vorwort von C. F. Becker“ (S. 13,bei Friese in Leipzig, 1843), deren Anschaffung und Studium jedem Musikersicher und reich lohnen wird.