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3 (1857)
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Und so giebt uns das Beispiel eines der grössten Komponisten zubeherzigen, wie unvermeidlich der Einfluss eines ungünstig gewähl-ten oder zu ungeeigneter Form bestimmten Textes*) auf die Kom-position, wie wichtig also Wahl und Bestimmung des Textes ist.

Zweiter Abschnitt.

Die musikalische Gestaltung des Chors im Allgemeinen.

Ehe wir auf die besondern Formen der Chorkomposition ein-gehn , wird es dienlich sein, einen Ueberblick der Chorkräfte undihrer Verwendung oder Gestaltung im Allgemeinen zu gewinnen.Zweierlei kommt hier in Erwägung: die Stimm wähl oder äus-sere Anlage des Chors, und die S t imm verwe n du n g.

A. Die Stimmw ahl.

Wie viel und welche Stimmen einem Chor zukommen, das be-stimmt sich nach seiner etwaigen Stellung und Bedeutung in einemgrossem Ganzen.

Die Normalzahl ist hier wie überall die Vierslimmigkeit,dargestellt durch Diskant, Alt, Tenor und Bass. Von hier steigtder Chor bei besonders wichtigen oder grossartigen Anlässen zurFünf-, Sechs-, Achtstimmigkei t, oder zieht sich bei leichternAufgaben, oder um die einzelnen Stimmen mit besondrer Klarheitund Freiheit wirken zu lassen, auf Drei - und Z w ei s tim mi gke i tzurück. Nicht unerhört sind einsti m mi ge C re ; doch müssensie, wo nicht ein besondres Verhältniss sie rechtfertigt, als unvoll-kommne Gestalten gelten, da sie eine Menge von Individuen aufden engsten Begriff einer einzigen Person bringen.

Die Normalzahl ist fast in allen Werken der Meister so vor-herrschend , dass gegen sie die mehr- oder minderstimmigen Sätzeals blosse Ausnahmen erscheinen. Händel z. B. ist in der Mehr-zahl seiner Oratorien vierstimmig, nur in Israel in Aegyptenlegt er es häufig auf Achtstiinmigkeit (oder Doppelchörigkeitj an,wiewohl auch da meistens zwei oder mehr Stimmen Zusammenfällen,der Salz also sieben- oder sechsstimmig wird. Der Komponistscheint hier den Pomp der Mehrstimmigkeit besonders darum nöthiggefunden zu haben, weil dies Oratorium statt wahrhaft dramatischerEntwickelung nur eine Reihe vereinzelter Momente (die PlagenAegyptens, den Untergang im Meer und Lobgesänge) bietet, zumTheil von untergeordneter musikalischer Bedeutung, mithin im

*) In wie weit der Zusammenhang eines umfassenden Werks den Kompo-nisten zu willkürlicherer Bestimmung über einzelne Partien seines Textesbewegen könne und wie dies hier bei Handel der Fall gewesen, kommt in derMusikwissenschaft zur Sprache.