Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
445
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koniposition diese Bedeutsamkeit heraustreten zu lassen, dass ernoch entschiedner als andre Musiktexte in der musikalischen Sphäregeistiger Aeusserung walte. Jene grossen Worte der Bibel, in de-nen das Gefühl, die Stimmung eines ganzen Volks in unmittelbarer,einfachster und stärkster Weise zum Ausdruck kommt, freudigesLob Gottes (Psalm 9, 2, Psalm 47, 2),

Ich freue mich uod bin fröhlich in dir, und lobe deinen Namen, duAllerhöchster !

Frohlocket mit Händen, alle Völker, und jauchzet Gotte mit fröh-lichem Schall!

oder der Seufzer der Busse und Sorge (Psalm 6, 2, Psalm 4, 2),

Ach, Herr, slrafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nichtin deinem Grimm!

Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit, der du michtröstest in Angst; sei mir gnädig, und erhöre mein Gebet!

sie bieten dem Musiker die günstigsten Chortexte und ihm oder demDichter die lehrreichsten Vorbilder. Auch die mehr der Form desGedankens oder Begriffs (S. 370) zugeneigte Aeusserung ist wohl-geeignet für Chorkomposition, wofern der ausgesprochne Gedankeaus einem Gefühlsmoment als Resultat der wirklich erlebten Em-pfindung heraustritt und daher Macht hat über das Gemütb. So jenerSatz aus Psalm 47, 3,

Denn der Herr, der Allerhöchste, ist erschrecklich, ein grosser Königauf dem ganzen Erdboden!

der uns mit Schauern vor der Macht und Herrschaft des Allerhöch-sten erfüllt, weil diese Schauer schon in der Seele dessen er-lebt worden sein müssen, der den Herrn einen Erschrecklichen nennt. Weniger geeignet für Chorkomposition erscheinen Aeusserungenin der Form der Anschauung, Schilderung, des Gleichnisses. Denndas, was sie zunächst aussprechen, ist nicht Gefühl, das wir(S. 370) als das unmittelbar Musikalische erkannt haben, sondernnur ein Gegenstand, an dem das Gefühl erwachen kann, oder durchden es bezeichnet werden soll. Dies ist aber weder der einfachsteund unmittelbar treffende Ausdruck des Gefühls, noch ist der Zu-sammenhang zwischen dem anregenden oder bezeichnenden Gegen-stand und dem vielleicht! durch ihn angeregten Gefühl ein sosicherer, zuverlässiger, noch endlich ist es nalurgemäss, psycholo-gisch wahr, dass eine Masse von Individuen nicht blos im Gefühl,sondern auch in dem anregenden oder gleichnissweis bezeichnendenGegenstand Übereinkommen sollte. Viele, eine Masse von Men-schen können in dem Verlangen nach Gott, nach seiner Nähe imGlauben oder in der Stunde der ßedrängniss Übereinkommen, siekönnen zusammenstimmen in dem Rufe des Verlangens, auch noch