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während die nähere Vorstellung, die Weise und der Grad der Er-hebung, in jedem Geschlecht, bei der Jugend und dem reifem Alter,— ja zuletzt bei jedem Individuum abweichen vom andern. JeneWorte des Urtextes können also wohl als Chortexte gefasst wer-den. — Nun aber sind bekanntlich von verschiednen Dichtern (z. B.Klopstock, Mahlmann) Umschreibungen, dichterische Ausführungenund Auslegungen des Vaterunser gegeben worden. Diese könnenfür irgend einen besondern Standpunkt, mithin für ein Individuum,das sich auf ihn versetzt, durchaus wahr und geeignet sein. Jeweiter sie aber über das Allgemeine des Urtextes hinausgebn, destogewisser sind sie, ihre Komposilionsfähigkeit überhaupt vorausge-setzt, blos als Ausdruck eines Individuums zu fassen und eben dar-um ungeeignet für Chorkömposition.
2. Einfachheit, Kürze, Bedeutsamkeit.
Das Allgemeine aber, in dem Massen von Individuen überein-stimmeu, kann auf der einen Seite nicht anders als von einfachemund kurzem Ausdrucke sein, weil alle mehr in das Be-sondre, Individuelle gehende Ausführung dem Gedanken des Chors,der Gemeinsamkeit widerspricht und dem Sologesang, der Aeusse-rung der Individuen zufällt. Auf der andern Seite muss das, wasnicht blos einem Einzelnen, sondern ganzen Massen, Allen eigenwerden soll, auch von vorzüglicher Bedeutung für Alle,von der Macht erfüllt sein, Alle zu ergreifen und zu erfüllen. JenesHeine’sche Gedicht (S. 439), das von der Sehnsucht der Fichte imNorden nach der Palme im heissen Süden trä’umt und ein Sinn-bild geheimen und ewig ungestillten Verlangens, ewig weiter Schei-dung von dem Gegenstand desselben bietet, kann nur in der Dich-terbrust und in irgend einem einsam da — dort mit ihm sinnigTräumenden Bedeutung haben, nicht die Massen eines Chors er-greifen. Das kophtische Lied (S. 425) kann als Aeusserung tüch-tigen, thalkräftigen Mannsinnes Musik werden, aber nicht Chor;als Bekenntniss, Wahlspruch, Ausdruck einer Masse müsste dieReihe von Gegensätzen, die dem Einzelnen so behagen und ziemen,auf den gedrängtem und energischem — und darum kürzern undeinfachem Ausdruck des Sich geltend Mächens, Sich Gewähren-lassens, oder Sich Behauptens zusammengefasst werden.
3. Die Sphäre seines Inhalts näher bezeichnet.
Die vorzügliche Bedeutsamkeit des Chortextes ist aber zunächstdarin zu setzen, dass derselbe nicht blos im Allgemeinen von Ge-wicht und von einfacher, schlagender Fassung, sondern dass erauch vorzüglich geeignet sei, in musikalischer Behandlung als Chor-