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Gelegenheit, auf die erste Weise — gleichsam als Hauptsatz —zurückzukommen, so befestigt sich die innere Einheit des Ganzen.Die äussere Einheit bedingt in der Regel Festhallen eines Haupt-tons, also Rückkehr zum Hauptton, wenn er bei den neuen Salzenverlassen worden. Alles Weitere bleibt der Stimmung des Kom-ponisten und der Auffassung des Gedichts überlassen.
Eine besonders hervortretende Stelle nimmt in der Gattung desdurchkomponirlen Liedes
die Ballade
ein, wie sie von Zumsteeg geschaffen und von Löwe (besondersin seinen ersten Werken) mit überlegner Kraft weiter gebildet wor-den ist; der mannigfache und entschiedne, oft in scharfen Gegen-sätzen heraustretende Wechsel von Zuständlichkeiten und Stimmun-gen, der der Ballade vor dem eigentlichen Lied eigen ist, führtehier schneller und bestimmter auf die Nothwendigkeit des Durch-komponirens.
Die Kompositionslehre hat nach dem bereits über Liedform Aus-geführten hier kein weiteres Geschäft. Jede einzelne Gestaltung,die im durchkomponirlen Lied eingeführt werden kann, ist uns schongeläufig; Wahl und Zusammenstellung bleiben dem Unheil und derStimmung des Komponisten in jedem einzelnen Fall überlassen. Dietiefere Lehre gehört der Musikwissenschaft an.
So viel über das einfache und durchkomponirte Lied. Eine aus-führlichere Lehre scheint schon deshalb unnöthig, weil es (wie ge-sagt) Niemandem an praktischer Anschauung, an Kennlniss zahl-loser Lieder aller Art — und vieler gelungner — fehlen kann undjeder zu Komposition Angeregte in der Regel zuerst und früh sichan Liedern versucht, hier auch in der That ein glückliches Naturellund eine erregte Stimmung eher als bei den meisten Kunstaufgabenohne tiefere Bildung genügen mag*). Ja, eine ausgebreitetere odertiefer dringende Lehre würde hier leicht nachtheilig werden.
Denn das, worauf es bei dem Liede zunächst ankommt, ist ebendas Hervorheben der allgemeinen Stimmung aus dem Gedicht in dieMusik; dieses Allgemeine ist hier das durchaus Vorwaltende, dasEinzelne dagegen, der spezielle Inhalt ist das Untergeordnete. JenesAllgemeine kann aber nicht gelehrt werden, es ist (S. 422) unmit-telbares Erzeugniss des Naturells, der allgemeinen Bildung und deraugenblicklichen Stimmung. Daher ist auch nicht zu leugnen, dass
*) Zu allen Zeiten hat es daher Liederkomponisteu gegeben, die ohne tiefereBildung, ja selbst ohne tiefe Begabung viel Erfreuliches, bisweilen Ausgezeich-netes im Liedfache geleistet und sich und ihren Gesängen ausgebreitete —wenn auch in der Regel nur vorübergehende Gunst erworben haben.