Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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ist zu jeder Zeit empfänglichen und konipositionsfähigen Gemüthemleicht gelungen, und begreiflicher Weise haben Diejenigen, diesich hieran ohne Weiteres genügen Hessen, oft und zu jeder ZeitAnklang gefunden, sogar mehr, als die tiefer Auffassenden. Denndie Stimmung, oberflächlich aufgefasst, diese allgemeine Angeregt-heit des Gemüths nach der lichtem oder dunklern Seite hin, in derder Kern der bestimmtem, dem Bewusstsein nähern Empfindungschwimmt, wie das Dotter im Eiweiss, diese allgemeine Stim-mung ist in jeder rührsamen Brust vorhanden; in ihr finden sichbegreiflicher Weise ungleich mehr Gehende und Empfangende zu-sammen, von denen jeder die kleinen eignen Abweichungen und Er-gänzungen, die sich in seinem Fühlen und Sinnen regen, stillschwei-gend hinzutimt oder hinzudenkt. Seltener ist das tiefere Eindringenbei einer äusserlich so einfachen Aufgabe, eben so viel seltenerbei den Sängern als bei den Dichtem; von Allen wird jener allge-meine Anklang von Freude, Zärtlichkeit, Wehrnuth (oder was sonst)leicht gefasst; von den Wenigsten dagegen begriffen und festgehal-ten, dass jede Stimmung in verschieduen Persönlichkeiten und unterverschiednen Verhältnissen und Einflüssen eine wesentlich andrewird. Diese spezifische Wahrheit, die eigentlich das einzigGanz-Wahre und darum für das Gemüth einzig Ergiebige undFördernde ist, hat sich stets nur Wenigen ergeben, nur Wenigehaben sie zu erkennen und in treuer Widmung ihr nachzutrachtenBeruf und ernstlichen Willen gehabt. Auch geben nur wenig Ge-dichte im Verhältniss zu dem allverbreiteten Grundwasser unsrerLyrik dem Musiker Anlass zu solch tieferin Schaffen, und dannführt ihn seine innigere Vertiefung oft unvorhergesehn aus den Schran-ken der Liedform anderswohin.

Diese Verhältnisse zeigen sich schon in unsern deutschen Volks-liedern. Hunderte schwimmen in dieser allgemeinen, Alles undNichts, wie man es nehmen will, entfaltenden Gemüthlichkeit da-hin, kaum Eins vom Andern unterscheidbar; einzelne treten in fels-fester Bestimmtheit hervor, herb oder süss, muthig oder entsagend,aber ganz voll und treu. Dasselbe Hesse sich durch die ganze Reiheder Liedkomponisten nachweisen, vom alten Hiller, Schulz,Reichardt, Mozart, über Harder, bis zu unsern Zeitgenossen,Methfessel, Weber, Schubert, Rursehmann, Rücken,Meyerbeer, Proch, Truhn, Mendelssohn, Reissiger,Hoven, R. Franz wer kann die beliebten Namen alle aufzählen?und wer mag heraussuchen, wie viel Allgemeinannehmliches und wieviel tiefer Gefasstes, spezifisch Wahres dem Einen oder Andern ge-lungen ist? Löwe hat besonders in seiner ersten Zeit Unschätzba-res im letztem Sinne gegeben; Beethoven (z. B. in seinen Gel-lertschen und den schottischen Liedern), auch L. Berger und wie