Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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das dem Wortinhall nach vierzeilig ist, durch die Wiederholungder dritten Strophe aber fünfzeilig wird, ferner von siebenStrophen, z. B. das Burschenlied in Auerbachs Keller,

Es war eine Ratt im Kellernest,

Lebt nur von Fett und Butter,

Halt sich eiu Ränzlein angemästt,

Als wie der Doktor Luther.

Die Köchin hatl ihr Gift gestellt;

Da wards so eng ihr in der Welt,

Als hatte sie Lieb im Leibe.

oder sonst ungleich abgezähllen oder ungleich lang ge-bildeten Strophen verhindern auch in der Komposition gleichmäs-sige Satzbildung, wofern sie nicht doch durch ungleiche Behandlungder einzelnen Momente (durch Dehnung der zu kurzen und Zusam-mendrängen der zu weiten Partien des Gedichts) hergestellt werdenkann. Wer aber aus Th. II, S. 27 u. f., die Erweiterungen derSatz- und Periodenform, die freiem und ungleichmässigeru Rhythmensich geläufig gemacht hat, wird in solchen Versformen keineswegsein unübersteiglich Hinderniss linden, selbst wenn die Zurückfüh-rung auf das Gleichmaass unthunlich sein sollte.

Wir haben bis hierher nur einen einzelnen Vers des Gedichtserwogen. Die meisten für Liedkoniposition bestimmten Gedichtehaben aber deren mehr. Soll nun ein solches Gedicht von mehrernVersen rein liedmässig aulgefasst, das heisst, die Stimmung dessel-ben alle Verse hindurch in einer einzigen Liedweise feslgehallenwerden: so ist nicht nur das nötbig, dass in allen Versen dieseGrundstimmung fortwalte, sondern auch, dass der Bau ,111er Versederselbe bleibe. Dies bedarf kaum einer Erwähnung, wie dennüberhaupt bei der Ausbreitung der Liedkompositionen schon bis hier-her eher viel zu viel als etwas zu wenig gelehrt sein mag. Nurdas Eine sei noch angemerkt, dass bei zu kurzem Versbau biswei-len die Zusammenziehung von zwei und zwei Versen hülfreich wer-den kann, wofern sie nach Inhalt, Bau und Verszahl möglich ist.

Zweiter Abschnitt.

Liedkomposition.

Auch über die Komposition des Lieds ist bei der Einfachheitder Aufgabe und der überall verbreiteten Anschauung nur wenig zusagen. Die Stimmung eines Gedichts all ge mein hin zu fassenund wiederzutönen, diese Grundaufgabe aller Liedkomposition, das