Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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426
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Selige Sehnsucht.

Sagt es niemand, nur den Weisen,

Weil die Menge gleich verhöhnet,

Das Lebendge will ich preisen,

Das nach Flammentod sich sehnet.

ist jeder Zug durchglüht von jenem begeisterten Gefühl des Ewigenin uns, das unser wahres Sein, ohne das unser äusserliches Lebennur Tod, für das unser Dahingeben, unser Tod, Geburt zum wah-ren Leben ist,

Und so lang du das nicht hast,

Dieses: Stirb und werde!

Bist du nur ein trüber GastAuf der dunkeln Erde.

ist jedes Wort überfliessend voll jener seligen Sehnsucht, die nachFlammentod und Wiedergeburt hinzieht: dass durchaus und überalldie Seele strömt in Musik. Und doch tritt die Fülle des Gedan-kens im Worte so übermächtig heraus, zieht so tief unsern Geistin den Prophetenspruch des Dichters hinein, dass auf die allgemeineFühlung, also auf das Gesang-Werden des Gedichts wenig anzu-kommen scheint, ja, dass man fürchten möchte, den tiefen Sinn desWorts verschleiert zu finden durch die in Musik hervorgehobneStimmung des Ganzen.

In so zweifelhaften Fällen liegt die Entscheidung oft in deraugenblicklichen subjektiven Stellung des Komponisten zum Gedicht.Jenes kophtische Gedicht giebt in seinen Lehren zu denken; insolchem Sinne weiset es die Musik zurück. Allein sind uns dieLehren nicht mehr neu, sind wir mit ihnen dem Gedanken nachfertig, so gewähren sie uns das Bild des lebensfrischen Mannes, dersie selber erprobt, und sein Gefühl dabei kann dem KomponistenMusik werden. J. F. Reichardt hat in der That das Gedicht indiesem Sinne glücklich gefasst. Auch das andre Gedicht ist vonZelter haudwerksmässig genug, und wenn wir nicht irren, fürMännerquartett in Noten gebracht worden. Wenn wir auch indiesem besondern Falle nicht zuslimmen können, so ist wenigstenszuzugestehn, dass es für die einzelnen Fälle nicht immerdass es oft allgemeine Entscheidung nicht giebt; dem Einenkann die musikalische Seite lebendiger hervor- und näher treten,als dem Andern, ohne dass darum dieser oder jener durchaus un-recht hätte. Nur so viel darf als allgemein gültig ausgesprochenwerden: je zweifelhafter es ist, ob ein Gedicht überhaupt Musikund ob es besonders Liedform fodert, desto schwieriger und zwei-felhafter ist der Erfolg der Komposition.