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Erster Abschnitt.
Der Liedtext.
A. Der Inhalt desselben.
Aus den Vorkenntnissen (S. 368) ist uns schon klar geworden,welche Texte überhaupt für Musik geeignet sind. Wir setzen alsohier einfach zu: dass ein überhaupt musikalischer Text seinem In-halt nach dann für Liedkomposition geeignet ist, wenn die allge-meine aus ihm sprechende Stimmung ein überwiegendes, der Inhaltin seinen Einzelheiten aber ein untergeordnetes Interesse bietet,wenn diese Einzelheiten nicht sowohl um ihrer selbst, als um derdurch sie und in ihnen angeregten Stimmung willen aufgefasst undzur Sprache gebracht worden sind.
An dem Goethe’schen Nachtgesang —
0 gieb, vom weichen Pfühle,
Träumend, ein halb Gehör!
Bei meinem SaitenspieleSchlafe! was willst du mehr?
Bei meinem SaitenspieleSegnet der Sterne HeerDie ewigen Gefühle;
Schlafe! was willst du mehr? u. s. w.
können wir uns dies Verbältuäss, das die Liedkomposilion begrün-det, zu festerer Anschauung bringen. Was einzeln darin erwähntwird, — der weiche Pfühl, das Saitenspiel, der Sterne Heer, —das sind nur einzelne Striche und Farbenpunkte zu dem Bilde derGeliebten, die sich der Sänger im Schlummer auf weichem Pfühle,träumend unter den halbvernotnmnen Klängen seines Spiels, vor-stellt. Aber auch dieses Bild ist nicht der Kern des Inhalts, daseigentliche Leben und Herz des Liedes; die süsse, liebesandächtigeHinneigung seiner Seele ist es, die den Sänger erfüllt, die jeneVorstellung der Schlummernden erst geschallen oder ihr erst diewahre Bedeutung gegeben, und nur um ihrer selbst willen alle dasBild vollendende Einzelheiten gewahr worden ist und ausgesprochenhat. Dies ist so entschieden, dass der Dichter selbst seinem Ge-dicht musikalische Weise gegeben hat. Die letzte Strophe klingt(als Refrain) wie ein musikalisches Motiv immer wieder an; diedritte jedes Verses kehrt bei dem folgenden Vers als erste wieder(der dritte Vers z. B. beginnt ,,die ewigen Gefühle“), und so ver-einigt sich Alles, um das Ganze zu einem stillbewegt dahinfliessendenErguss zu verschmelzen.