Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
410
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hohen Standpunkte jenes Moments ganz natürlich eigne erkennenwird.

Umgekehrt folgt aber hieraus, dass es noch keineswegs einVorwurf ist, wenn die meisten Rezitative, besonders in Opern,nicht auf der Höhe des ßachschen Rezitativs stehen. Denn wieungleich leichter und geringer ist bei jenen meistens der Inhalt derRede und die Bedeutung des Moments! Meistens sind sie im gros-sem Ganzen nur Uebergänge von einem bedeutenden Punkte zumandern, die als solche gewissermassen Augenblicke der Erholungnach einem vorangehenden und der Sammlung zu einem neuenHauptmomente bieten. Sie mit solcher Tiefe und Gewalt aussprechen,wie ßachs Rezitative, war Uebertreibung und Unwahrheit undzugleich eine Zerrüttung im wohlbedachten Bau des ganzen Kunst-werkes, in dem sich wie überall die Nebenmomente den Hauplmo-menten unterordnen müssen. Ein Grund mehr, das Studium desRezitativs bei leichtern und gleichgültigem Aufgaben zu beginnen(S. 398) und lauge festzuhalten.

Vierter Abschnitt.

Das begleitete Rezitativ und das Arioso.

Sobald das Wesen des Rezitativs erfasst ist, bedarf sein Ueber-gang (oder seine Hinneigung) zu festerer Form, den wir schon S. 390bezeichnet haben, nur eines Hinblicks, keines besondern und weit-geführten Einarbeitens. Es ist vielmehr ralhsam, so lange als mög-lich an der Form des einfachen Rezitativs sich genügen zu lassenund von der selbständigem Begleitung nur, wo es der Sinn desGanzen gebieterisch fodert, Gebrauch zu machen.

Die Schritte, die das Rezitativ über seine ursprüngliche undeinfachste Weise hinaus thut, sind folgende.

i. Fortklingende Begleitung.

Die Begleitung hat ursprünglich nur die Singslimme durch An-deutung der Harmonie zu stützen; so ist in No. 401 und 402 ge-schehe Die Harmonie wird hier wie überall nicht bedeutungslosbleiben, aber sie macht noch nicht Anspruch, anders, als in derSingstimme zu eigentlicher Geltung zu kommen.

Der erste Fortschritt ist nun der, dass das Dasein der Har-monie in der Begleitung im Gegensatz zum Gesang hervortretensoll. So hat es Händel schon in dem kleinen Rezitativ No. 405gewollt. Das orgelpunktartige Ausklingen fesselt die Erwartung und