Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
408
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Und nun gehe man erst auf den Inhalt ernstlicher ein. DerHauptton der ganzen Kirchenmusik und namentlich des dem Rezi-tativ vorausgehenden Satzes war das feurige kriegsfertige Z?dur.In der Parallele, in dem triibheissen //inoll tritt der eifernde, dring-liche Bussredner des Rezitativs auf, und zwar innerhalb des vermin-derten Septimenakkords, des schwankend beweglichen Rests ansdem weitgetriebnen hangen kleinen Nonenakkorde. Hier fällt dasErwäge doch auf Grundton und Septime, die aber eigentlichTerz und None sind, dasKind Gottes auf die ursprüngliche Sep-time und Quinte, jeder Ton aus dem innersten Gefühl des Worts,das Ganze in mächtigen Schritten rasch andringend, dasKindGottes hoch erhoben, wie ein weckender Namenruf, der dir deinehöhere, wahre, einzige Bedeutung und Bestimmung als Abwehrwider Welt und Sünde vorhält, und doch wieder liebreichgemildert durch den Aufschritt der sanften Sexte. Der folgendeTextabsehnilt wendet sich in das schwülere /Ysmoll, dann aber mitheller Zuversicht des Sieges nach Zldur, wobei wir die zelotischeEreiferung bei den Wortenwider Satans Heer und wider Weltund Sünde nicht iibersehn wollen.

Es ist nicht unsre Absicht, dem mit uns Gehenden die Unbe-fangenheit- und erhöhte Freude eignen Versenkens und Forschensdurch eine erschöpfende Zergliederung zu beeinträchtigen. Die we-nigen Andeutungen genügen, um zu bezeichnen, wie tief und durch-dringend hier der Geist gewaltet hat; es ist in der That auch nichteine Note anders, als nach dem innerlichsten Gebot der Wahrheitgesetzt. Wer sich erst in dieses Meisterwerk hineingesungen undmit Gefühl und Ueberlegung hineinversetzt hat, der prüfe nurohne Furcht vor dem Namen des Tondichters, durch den es unsgegeben worden, ob er irgendwo eine Note ohne offenbare Be-einträchtigung des Inhalts ändern könnte.

Zum Schluss noch eine allgemeinere Bemerkung. Werdieses Rezitativ und andre Bachsche mit derjenigen Weise desRezitativs , die wir durch die Mehrzahl der Kompositionen (selbstder vorzüglichsten) gewohnt worden, vergleicht: dem kann im er-sten Augenblick die Bachsche Weise übertrieben erscheinen. Undferner, was im Grunde dasselbe ist, wer die Bachsche Rede-weise, wie sie sich in seinem Rezitativ ausprägt, mit der Rede-weise zusammenhält, die wir in den gewöhnlichen Lebensverhält-nissen an uns und andern gewahr werden: der kann zweifelhaftwerden, ob jene Bachsche Redeweise natürlich, ob sie mit derWeise der natürlichen Sprache übereinstimmend, ob sie nicht viel-

berausgegebnen Kirchenmusik:Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben)in eigentümlicher und wunderwürdiger Weise als Arie behandelt.