Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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404
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so wird bei A. das ,, receves den verbindlichen Ausdruck des Ori-ginals gegen den eines ganz unmotivirten sentimentalen Verlangensverlieren, bei B. wird dieses Wort einen kalten Accent fühlen las-sen, die ,,homieurs ii werden sich wichtig thuend vordrängen, das,,nous li wird vollends auf die Spitze getrieben und der Schluss da-bei klagend ausklingen. Und dies alles, wenn man einmal so an-längen wollte, war ohne noch lästigere Eintönigkeit nicht zu ver-meiden.

Der letzte Gegenstand unsrer Betrachtung sei ein Rezitativ ausder Kirchenmusik, die Seb. Bach zu Luthers Choral: ,,Ein festeBurg geschrieben hat*). In tiefsinniger Weise wird das Kirchen-lied mit anderswoher genommenen Betrachtungen durchflochten, undso wird schon der zweite Vers

Mit unsrer Macht ist nichts gethan,

in Verbindung mit einem andern Texte

Alles, was von Golt geboren,

Ist zum Siegen auserkohren, u. s. f.

in streitfertigster protestantischer Freudigkeit durchgefiihrt. Darauffolgt unser Rezitativ:

Erwäge doch, Itind Gottes, die so grosse Liebe, da Jesus sich mitseinem Blute dir verschriebe , womit er dich zum Siege wider Sa-tans Heer und wider Welt und Sünde geworben hat. Gieb nicht indeiner Seele dem Satan und den Lastern statt, lass nicht dein Herzden Himmel Gottes auf der Erden zur Wüste werden, bereue deineSchuld mit Schmerz, dass Christi Geist mit dir sich fest verbinde.

Die letzten Worte

dass Christi Geist mit dir sich fest verbindesind als Schluss und Resultat des Ganzen Arioso geworden, mithinvon unsrer musikalischen Betrachtung jetzt ausgeschlossen.

Dieser Text, eine religiös-moralische Ermahnung, fodert für sichnicht musikalische Behandlung. Nur der hohe Eifer des Predigersso darf gewiss der Redende hier heissen und die Stellung inner-halb eines durchaus musikalischen Ganzen gestatten die Uebertra-gung in Musik. Hiermit (und mit Rücksicht auf die Stellung imZusammenhänge des Werks) war rezitativische Form bedingt.

*) ln Partitur herausgegeben bei Breitkopf und Härtel.