Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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selbst sich mit erhobner Stirn zu behaupten, die schon hier dieMöglichkeit ahnen lässt, dass der Mord des Gatten ihr nicht unaus-führbar sein wird zur Sühne des beleidigten Mutterrechts; es isteine der tiefsten Karakterenlwickelungen, die je irgend einer Kunstgeworden. Hier ist die herbe Kraft des Karakters verhüllt fdieInstrumente ziehn ihre Akkorde über die Singstimme bedeckendweg), er ist unter so beglückenden Verhältnissen im vorhergellendenGesänge (Gdur) zu einer gewissen Freudigkeit und Freundlichkeitgeschmeidigt worden, wenn auch nicht zu reiner Hingebung und Hei-terkeit, die ihm fremd sein müssen, gelangt. Auch die weitereHede das vorstehende Rezitativ ist eher mild und herab-lassend, als heiter; daher die Wendung nach JJmoll.

Fasst man diesen Gesichtspunkt, so ist einleuchtend, dass ausdem Karakler der Redenden und aus den Verhältnissen eine höhereBewegung in die Rede kommen musste bei aller Gehaltenheit oderßemesseuheit mütterlicher und fürstlicher Würde, die sich der in-nern Bewegung nicht hingeben darf. Daher hebt die Modulation aufdem beweglichen Sextakkorde der Dominante an und wendet sichin so engem Raume von .Fmoll nach //moll, nach A&m, währenddie Singstimme den Umfang einer kleinen Sexte nicht überschreitetund nie einen grossem Schritt als eine Quinte macht.

Die drei Tonarten sind die Räume für die drei Hauptabschnittedes Textes:

1) Demeurez dans ces lieux , ma fille 3 2) et sans partage recevez{es honneurs , qai jious sunt adresses. 3) Je vais voir , si le rot, denos voeux empresse , consent ä recevoir l'homtnage.

Der Uebertritt erfolgt aber so, dass mit dem entscheidendenAkkorde jedesmal das entscheidende Wort,sans partage u,,le roi il , hervorgehoben wird. Die Akkorde, als untergeordneteRäume für den fortschreitenden Redeinhalt, dienen gleichem Gesetze;sie runden die untergeordneten Abschnitte bei den Worten ,,^7/e ,, adresses ,,consent ab. Die letzten zwei Taklesind Arioso, kommen also für jetzt nicht weiter zur Betrachtung,obwohl sie demselben Gesetz folgen.

Hiernächst endlich dient auch die taktische Anordnung zur Her-ausstellung aller accentuirten Silben durch Haupt- oder geweseneHaupttheile*) des Taktes, so dass die verständige Anordnung desTextes Zug um Zug in die Komposition übergegangen ist.

Gehen wir nun auf das Innere der Komposition näher ein, sozeigt sich zuerst in der rhythmischen Anordnung neben dem,was die Einrichtung des Viervierteltaktes und die Berücksichtigungder Redeaccente im Allgemeinen foderte, eine vorherrschende Nei-

*) Allgem. Musiklehre, S. 105.