Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
394
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Nach dieser hier sehr leichten vorläufigen Verständigunglassen wir nun das Wort des Textes in uns sinnlich-lebendigwerden, indem wir ihn mit dem ihm gebührenden Ausdruck wieder-holt laut aussprechen*); war er tiefem Gehalts, so würden wir trach-ten müssen, uns in seine allgemeine Stimmung zu versenken. Be-obachten wir uns nun bei dieser lauten Rede, so werden wir inne,dass der ganze Text sich in folgende mehr oder weniger scharf ge-trennte Glieder aus einander stellt:

1 2 3

Da traten herz« die obersten Väter unter den Leviten und4 5 6 7

redeten mit ihnen im Lande Kanaan und sprachen,von denen das zweite Glied den Gipfelpunkt des ganzen Textes bil-det. Die Accente der Rede fallen hauptsächlich auf die mit 1 bis 7bezeichneten Silben.

2. Wahl der Stimme und Tonart.

Sobald es vom Komponisten abhängt, wird er für jeden Textdiejenige Stimme wählen, deren Karakler der Stimmung des Textesam entsprechendsten. Unser Text ist so wenig anlheil- oder slim-mungerregend, dass wir in ihm keinen Grund finden, eine oder dieandre Stimmklasse vorzuziehn. Wir wählen also ganz will-kiihrlich ; den Tenor; er ist wenigstens als höhere Stimme anre-gender und als männliche geeigneter für redenden Ausdruck.

Ebenso wird die Stimmung des Textes dem Komponisten auchdie Tonart angeben, mit welcher er eintritt; dass er an derenFesthaltung nicht gebunden ist, wissen wir bereits. Unser Texterweist sich auch hierin gleichgültig; wir dürfen ohne Weiteres dieindifferente Tonart Cdur als Standpunkt wählen, von dem wir aus-gehn, gleichviel ob wir in dieser Tonart bleiben, oder nicht.

3. Entwurf der Komposition.

Sobald wir nun den ersten Standpunkt festgesetzt haben, -es soll hier also Cdur und zwar der tonische Dreiklang sein,gelten uns zunächst die Stufen des ergriffnen Akkordes als die Ton-punkte, auf denen und durch die unsre in bestimmte Intervalle über-gehende Rede sich zu bewegen hat.

Jeder Akkord ist uns jetzt wieder (Th. I, S. 249) einRa um, innerhalb dessen sich unsre Melodie bewegt, bis sie ihnverlässt, um einen andern Raum, also einen andern Akkord, zubetreten. So auch ist jede Tonart ein grösserer Raum fürdie Entfaltung der musikalischen Rede. Innerhalb eines Raumesbleibt die ganze melodische Entwickelung auf das Einigste und In-

*) Der Verf. hat sehr förderlich gefunden, anfangs den Schülern derglei-chen Texlsälze vorzulesen und zwar wiederholl, mit stets beibehallneinTonfall der Rede und sie diesem Tonfall gemäss notiren zu lassen.