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handen, — selbst des Arioso wollen wir uns vorerst enthalten; dieTon folge und Bewegung der Singstinime bestimmt sieh einzig nachdem Sinn und Ausdruck der Rede, verzichtet also damit auf jedenReiz einer selbständig entfalteten Melodie. So bleibt unser einzigGeschäft und unsre einzige Kraft die Ueberfiihrung des Worts inMusik, — also die wahre Grundlage aller Gesangkomposition.
Wer auf dieses Studium mit Ernst, Anhaltsamkeit und immertiefer eindringender Beobachtung eingeht, dem werden sich für dieGesangkomposition neue, oft ungeahnte Kräfte und Mittel ergeben.Wer es versäumt, wer das Rezitativ, — das selbst von vielen be-deutenden Komponisten oberflächlich abgefertigt wird , — nur nachhergebrachter Routine übt und anwendet (was sehr, sehr leicht ist),der versäumt ein nach unsrer festen Leberzeugung kaum zu ersetzen-des Bildungsmittel.
Wir beginnen mit den einfachsten und unschwersten Aufga-ben, mit der Komposition von Texten, die kurz, leichten Inhaltsund günstiger Form sind. Die günstigste Texlform ist aber für dasRezitativ die, welche ihm — als der freiesten Gesangweise — diefreieste Bewegung gestattet, ungebundne Rede. Von den Vers-arten sind die einfachsten (z. B. die jambischen) die günstigem,je eigenlhümiicher das Versmaass und je schärfer es, z. B. mit Hülfedes Reims, ausgeprägt ist, desto mehr hemmt es den freien Flussder Rede und den Ausdruck ihres Inhalts. Eine vorzügliche F u n d-grube für Rezitativtexte ist die Bibel.
1. Textwahl und Textstudium.
Wir wählen als ersten Text die Worte :
Da traten herzu die obersten Väter unter deu Leviten und redetenmit ihnen im Lande Kanaan, und sprachen :aus Josua 21, 1—2.
Dieser Text hat an sich gar nicht die Bestimmung musikali-schen Vortrags; er ist eine vollkommen gleichgültige, wenigstensnicht höher gestimmte Erzählung. Nur im Zusammenhang einesgrossem für Gesangvortrag geeigneten und bestimmten Ganzen alsuntrennbarer Theil desselben (S. 387) könnte diese Rede Musik —und dann nichts anders, als Rezitativ werden. Wir nehmen an,dass wir es mit einem solchen Bruchstück eines im Ganzen musi-kalischen Textes (vielleicht eines Oratoriums) zu thun hätten. Hier-mit sind wir berechtigt zur Komposition und haben nun eine dereinfachsten Aufgaben vor uns.
Die Stimmung des Textes kann nur eine höchst ruhige, umnicht zu sagen untheilnehmende sein; nur eiuigermassen tritt einegewisse Spannung oder Erhebung in sie, da wir auf die Rede der„obersten Väter“, als auf etwas Wichtigeres, hingewiesen werden.