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tion erkennen musste; er trat nur deutlicher heraus auf den An-stoss des selbständig und energisch ausgebildeten Versbaues, dernicht füglich aufgegeben werden konnte zu Gunsten eines Textes,der dennoch unmusikalisch bleiben musste.
So viel, um im Voraus auf die Momente hinzuweisen, die beider Gesangkoniposition von erstem Einflüsse sind. Das Näherekommt theils bei den einzelnen Kompositionsformen, theils in derMusikwissenschaft zur Sprache.
Ueberleitung.
In allen folgenden, der Gesangkoniposition gewidmeten Abthei-lungen der Lehre knüpft nun die Entwickelung, getreu dem oben(S. 368) ausgesproehnen Grundsätze, bei dem Text an und fragt, —nachdem fes[gestellt worden,
dass und wiefern derselbe überhaupt für musikalische Auffas-sung geeignet, also ein wirklicher Gesangtext ist,bei jedem einzelnen nach:
in welcher Weise er zu komponiren sei?
Hier ergeben sich zuerst die verschiednen Formen derGesangkomposition, jede in ihrer innern Nothwendigkeit, —sodann knüpft sich hier die Betrachtung an, wie jede dieser For-men für jeden besondern Text, oder wie jeder Text nach seinerBesonderheit und in jeder seiner Partien aufzufassen und zu be-handeln sei; mit einem Worte: das Textstudium. Es verstehtsich von selbst, dass jede Lehre, — wie weit man sie auch aus-
kommt bei der Beurtheilung eines Kunstwerkes nicht in Betracht. Der Künstlermuss selber dafür einstehn, ob ein an ihn gelangender Auftrag ausführbar istohne Beeinträchtigung der Foderungen, die sich im Wesen der Kunst begrün-det erweisen; übernimmt er — zumal ein so unabhängig gestellter und durchalle Verhältnisse begünstigter Künstler — den Antrag, so hat er ihn unbedingtzu vertreten.
Uebrigens stehn diese Unternehmungen nicht allein. Abgesehn von derKomposition der EuripideVschen Medea, die Herr Kapellmeister Taubert nachder Antigone zu unternehmen hatte, sind schon einige Jahre früher HorazischeGedichte von Löwe herausgegebeu worden, talentvoll und zum Theil höchstreizend gesetzt, aber demselben Fehl unvermeidlich — denn er liegt ja nichtin der Ausführung, sondern in der Aufgabe — verfallen. Aehnliches ist schonvor Jahrhunderten vielfältig geschehn, stets mit Benachtheiligung der Musikoder des Gedichts; ein Theil der Kompositionen aus Goethe’s Faust und sonstmancher neuere Versuch gehört eben hierher.
Um so mehr schien es Pflicht, den Jünger auf das Bedenkliche dieser Rich-tung aufmerksam zu machen, zumal wenn so viel Talent und äussere Gunst sicheinen, die Verirrung zu verbergen oder gar als eine neue und edle Bahn zubezeichnen. An andrer Stelle wird erschöpfender hierauf zurückzukommen sein.