380
So wenig man also hier (wie anderswo im geistigen Gebiet)eine bestimmte Gränze zielin, einige Versarten für anwendbar, an-dre für nicht anwendbar erklären kann: so ist doch klar, dass dieKomposition um so mehr erschwert, von den natürliche™ und imAllgemeinen günstigem Formen abgelenkt wird, je ungünstiger derVersbau für ebenmässige Musikgestaltung ist. Es leuchtet ein, dasseigenwillig und dabei scharf ausgeprägte Versformen, so anziehendsie auch an sich, so gewiss sie dem Musiker bisweilen zu eigen-thümlichen Wendungen Anlass und Sporn sein können, — doch inden meisten Fällen gar leicht dem Komponisten zur Fessel werdenund ihn nöthigen, entweder den Versbau aufzulösen, oder um seinerErhaltung willen den Sinn des Gedichts — hiermit aber auch dietiefere Bestimmung der Komposition — fallen zu lassen. Eins oderdas Andre ist namentlich bei der Komposition antiker Versmaasseoder neuerer, ihnen nachgebildeter Verse (z. B. Klopstock’s undPlaten's) kaum zu vermeiden. Wenn z. ß. Mendelssohn gleichim ersten Chor der Sophokleischen Antigone singen lässt:
397 (Tenöre und Bässe im Einklang.)a
b
"6 , f i -1 •
- , i
1 t N SS i
tts 1 2 tt l, h. F *i h*' r — al
vL) J *11 !./ 1 f ..II 1
• * 2 • 2 r ^ ff 9 1
Strahl des He-li-os, schönstes Lieht, das der siehenlhorigen Stadl Thebc’sUe-ber unserem Dach um-gahnl’ er den siehenlhorigen Mund mit blut-
nimmer zu-vor er-scliien, du strahlst endlich, des goldneu Tags Auf bJicklechzen-dcn Speeren rings, und floh, e - he mit un-serm Blut’ er voll
f
*-
—Pr"
r
§i=*-
«rr
=3=
—».
! .. 9 _g__Mj
—°— 6 !
- —c -ff->•-
- -•* -0- -ff- £#- P n f7
-o- -0- -c- »
1 V 1 1 ‘ Ü I I
herr-lieJi her - aut.
Gicr-de (len Schlund füllen mocht’ und e- lie der Thürm’
u. s. \v.Um-kränzun®
kräftigenden Stahlbad. Auch in den ächten Volksliedern deutscher Zunge (undin den schottischen, scandinaviscben und französischen) waltet eine rückhaltlosfreie Rhythmik; hat sich doch sogar das Lied vom ,,Prinz Eugen“ mit ionererNothweudigkeit (man sehe die Volkslieder von Erk und Inner) im Fünfvier-teltakt gestaltet. Und ein andres, Jahrhunderte altes Volkslied (aus VVinterfeld’sevangelischem Kirchengesang, Th. 1) mischt, wie man hier —
Wo soll ich mich hin - keh-ren, ich ar-mes Brü-der-
Wie soll ich mich er - näh-ren? mein Gut ist viel zu
lein?
klein.
ich ein "We-seii
muss ich