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B. DerVers.
Der Vers bildet sich bekanntlich aus dem Wechsel von Längeund Kürze, Betonung und Nichlbetonung der Silben und wirdbisweilen durch die Anklänge des Reims noch bestimmter ge-zeichnet. In ihm stellt sich eine mehr oder minder feste äussereGestaltung der Rede dar, die keineswegs dem eigentlichen InhaltePunkt für Punkt oder auch nur in der Hauptsache streng anschliesst,sondern neben demselben auch blosse Wohlgestalt, eine theils be-deutsame, theils anmulhvolle oder anregende Sprachmelodie gleich-sam sein will, entsprechend dem Wohlgefühl und der Bewegtheit,mit denen die Seele des Dichters über ihrem Gegenstände schwebtund die sie in die Seelen der Hörer überwallen lässt.
Hier also findet der Komponist zweierlei aufzufassen: den un-mittelbaren Inhalt, und die keineswegs mit diesem durchaus überein-kommende Form des Textes. Seine Aufgabe ist daher eine zusam-mengesetztere und nicht immer wird es gelingen können, beideSeiten gleich vollkommen zu befriedigen; bald wird der Inhalt we-niger erschöpfend zum Ausdruck kommen , bald wird die Versformeinen leichten Eingriff erdulden müssen. Nicht bloss das Erstere,auch das Letztere kann bedenklich werden; denn die Versform —zumal die scharf ausgeprägte — bleibt auch durch Abweichun-gen hindurch fühlbar, schon weil sie selbst den gewandtesten Vers-künstler oft zu Wortstellungen und'Wendungen nöthigt, die nurin ihr, nicht im realen Inhalt der Rede ihren Grund haben. Esbringt der Versbau dem Komponisten eine festere Sprachgestaltung,die er annehmen kann, wenn sie ihm günstig ist, mit der er ringenmuss, sofern sie seiner musikalischen Intention widerstrebt. Soist er durch den Vers stets gereizt, bisweilen gefördert, bisweilengehindert; sind aber die Hindernisse nicht unübersteigbar, so kön-nen sie dazu dienen, den Tondichter zu ungewöhnlichen, neuenGestaltungen zu führen.
Welche Verse nun sind dem Musiker am meisten und welcheam wenigsten förderlich?
Gehn wir zunächst auf das Wesentliche und von der obigenBemerkung (S. 374) aus, dass die Musik nur im schlichten gera-den Ausdruck des Gefühls, nicht in dessen Verleugnung,Verhehlung u. s. w. ihre volle Kraft bewährt: so folgt hieraus,dass diejenigen Versarten ihr die günstigsten sind, die sich am in-nigsten dem natürlichen Gang der Rede anschmiegen und damit demTondichter das Gleiche gewähren. Jenes Goelhe’sche Gedicht, dasman S. 371 liest, hat für seinen Versbau dem natürlichen Redegangnicht das mindeste Opfer abgefodert, ist daher durch den Vers-bau dem Musiker nicht im Mindesten störend, so unerreichbar es