Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
376
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Nächst der rednerischen Form des Ausdrucks ist sodann auchdas äusseriiche Maass desselben, die Länge der Rede,

- von Bedeutung für die Komposition. Allerdings ist das Wortin gewisser Beziehung gleichsam nur Thema für die Musik, dassie nicht bloss auszusprechen, sondern auszulegen und auszuführen,durch Wiederholung und Ausführung reich zu erfüllen und tieferzu beseelen hat. Allein hierzu darf eben das Wort, der Text nichtzu ausgedehnt sein, um der Musik nicht noch weitere Ausdehnungoder flüchtiges Ueberhingehn aufzudrängen, und eben so wenigzu eng gemessen, damit sie für ihre Ausführung auch genügendenmateriellen Anhalt finde ohne ungebührliche Wiederholung des Wor-tes. So finden sich z. B. in den Dramen des Calderon ganzePartien, die dem Inhalte nach zur Komposition gar wohl geeignetwären, wenn sie nicht das der Musik noch zuträgliche Maass über-schritten. Umgekehrt sind viele der zur Komposition bestimmtenund dem Inhalte nach durchaus ja verführerisch musikalischenGedichte in Goethes Singspielen (z. B. in Jery und Bätely,Scherz, List und Rache u. a.) für die geeignete, ja nothwendigeKompositionsform zu kurz. Dass übrigens auch hier besondre Ver-hältnisse die zu kurzen wie die zu langen Texte annehmbar machenkönnen, bezeugen sogleich die unzähligen Kompositionen von Kyrieeleison und Amen.

Dieses Hinderniss verknüpft sich mit dem früher erwähnten ineiner, den Dichtern wohl zusagenden Form, in der Antithese.Mag diese nun gedrängt wie etwa ,,Sieg oder Tod! ,,Kurzist der Schmerz und ewig ist die Freude! oder in wiederho-lender Fortführung (wie oft bei Calderon) auftreten, immer wirdder Raum für den Ausdruck der beiden Seiten fehlen, von denendie eine, die zur Hebung der andern angeregt wird (z. B. in jenemWort der Jungfrau von Orleans die Erinnerung au den entschwin-denden Schmerz bei der Vorahnung, dem emporflügelnden Gefühlder Seligkeit), doch nicht unempfunden bleiben kann.

Nur so viel, mehr Andeutung als Abhandlung, musste unddurfte hier zur Sprache kommen. Das Weitere und Tiefere findetseine günstigere Stelle in der Musikwissenschaft, weil es mehr mitder allgemeinen humanistischen Bildung und der Wissenschaft, alsmit der Kompositionslehre in Beziehung und Zusammenhang tretenkann.