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liiesse allerdings, der schöpferischen Geistesmacht ungerecht miss-trauen und der Kunst unbefugt Schranken ziehn, wollte man dieseund ähnliche Formen schlechthin als unstatthaft bezeichnen; dochscheint es wohlgerathen, auf die in ihnen liegende Schwierigkeithinzudeuten, damit sie nicht dem Schaffenden unerwartet als einunenträthseltes Hemmniss störend werde. So kann denn allerdingsin Nebenmomenten eines grossem Ganzen, oder bei leichter zu fas-senden oberflächlichen Aufgaben, z. B. bei komischer Musik, auchIronie und Verstellung als zulässige Form gelten. Wollte mau sieaber für ein grösseres und ernstlichen Tendenzen bestimmtes Ganze,oder auch nur für Hauptmomente eines solchen gebrauchen: sowürde der Musik schon durch diese Form des Textes ihre eigent-liche Sphäre — die der aufrichtigen und darum tief treffenden, dasGemüth lief bewegenden Wahrhaftigkeit — verschlossen.
Ein schlagend Beispiel giebt hierzu das Goelhe’sche Gedicht„die erste Walpurgisnacht“, wenn mancs für musikalischeBehandlung bestimmen will, wie von Mendelssohn*) geschehnist. Dies Gedicht stellt bekanntlich die Anhänger der alten deut-schen Gottheiten dar in ihrer Bedrängniss durch die Bekenner desChristenthums, in ihrer Zuversicht, dass das reine Licht (angeblichihr Glaube) doch siegen werde, wie sie sich als Hexen und Zau-berer verstellen, um die abergläubigen Christen zu verscheuchenund ungestört den nächtlichen Götterdienst auf dem Brocken feiernzu können. Abgesehu von allem, was sich über die Grundidee desGanzen zu bedenken giebt und was schwerlich einem in der Ideeund im Bewusstsein unsrer Zeit lebenden Tondichter es gewährenkonnte, mit der Kraft und Glut eigner Ueberzeugung auf sie ein-zugehn, sind diese Hexen- und Spukchöre, die das Gedicht fodert,kein wahrer Spuk; ihr Inhalt ist nicht von denen, die sie darstel-len, geglaubt und darum für sie subjektiv wahrhaftig'; sondern esist von ihrer Seite und für die Hörer verübte Verstellung, —und zwar nicht eine im leichten Scherz verübte, sondern zu ernst-hafter Wirkung, auch im Gedicht zu einer solchen bestimmte. DieKomposition kann hierauf nur mit Ernst eingehn; auch sie kannnicht im leichten Scherz darüber hingleiten, sondern muss uns denSpuk in all’ seiner — vorgeblichen Wirklichkeit, Wildheit u. s. w.darstellen; — und doch ist es kein Spuk, ist alles nicht wahr.Diese Unwahrheit — oder Halbwahrheit und Halbheit (aus dem mu-sikalischen Gesichtspunkte) konnte zu interessant unterhaltenden undanregenden Momenten in der Komposition, zu Beweisen vom Talentdes Komponisten Anlass geben, nicht aber zu den tiefem, weil wahr-haftem Wirkungen, die bei gleichem Talent eine dem Wesen derMusik eignere Aufgabe möglich gemacht hätte.
*) Auch von Löwe, aber allzuflücblig abgeferligt.