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Fünfter Abschnitt.
Aasdrucksweise des Textes im Allgemeinen.
Setzen wir nun im Dichter oder Redenden einen der Musikzugänglichen Inhalt voraus, so kommt es zunächst auf die Weisean, wie dieser Inhalt vom Redenden zu erkennen gegeben wird.Im Allgemeinen lässt sich ein Gedanke oder Gefühl entweder ge-radezu Und aufrichtig aussprechen, oder er soll verneint,verborgen, verleugnet werden. Dies kann geschehn mitder Absicht der UnWahrhaftigkeit, um zu täuschen, zuverhehlen u. s. w., oder in der Absicht, die Wahrheit suchen, er-rathen zu lassen, z. B. aus Neckerei, Koketterie, Ironieu. s. w. In all’ diesen Fällen besagen die Worte etwas Andres,als der Redende eigentlich für wahr hält; das innere Bewusstseindesselben ist mit seiner Aeusserung in Widerspruch.
Das Gefühl aber kennt an sich nur eine gerade, unumwundueAeusserung; nur der Verstand kann seinen Inhalt ebensowohl ver-neinen, verkehren und verstellen, als aufrichtig hingeben, er kannalso auch das, was er am innern Gefühl wahrgenommen, verneinen,verleugnen oder verstellen. Nicht das Gefühl ist Verstellung oderverstellt , sondern an die Stelle seiner stets aufrichtigen Aeusserungwird vom Verstand eine andre geschoben.
Diese Verleugnungen oder Verfälschungen nun vermag die Musikso wenig als das Gefühl sich wahrhaft anzueignen; sie kannnur durch den Widerspruch, in den sie mit dem Worte des herr-schenden Verstandes tritt, die Falschheit errathen lassen, kanndie Stimmung, welche die Falschheit im Redenden antrifft, oder her-vorruft, verrathen — und damit allerdings den Ausdruck, dasKarakterbild des sich Verleugnenden, Verstellenden vollenden. Inden allermeisten Fällen wird aber der innere Widerspruch ihre Kraftbrechen, oder doch ihre Wirkung schwächen.
Aus diesem Gesichtspunkt ist es der Musik leichter, sich be-jahenden, als verneinenden Aeusserungen anzuschliessen.Ich liebe dich nicht, — ich freue mich nicht, — dies sind Aeusse-rungen, die das Gefühl, was sie nennen , zugleich verneinen.Die Gleichgültigkeit, die Betrübniss (oder welcher Gegensatz nunim Sinne behalten wird) ist im Gemüth und muss also der Inhaltder Komposition sein; aber sie trifft mit dem Ausdruck Liebe, Freudezusammen, und in diesem Widerspruche von Wort und Musik kanndie letztere nicht mit so sichrer, ungestörter Kraft treffen, alswenn sie vom übereinstimmenden Worte bestätigt und bestärkt wird.
Aus gleichem Grunde sind Ironie und Verstellung derMusik nicht zusagende und sie nicht begünstigende Formen. Es