Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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370
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Das Leben ist der Güter höchstes nicht!

In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne!gehören hierher.

Nur die zweite Reihe von Aeusserungen ist der Musik, derSprache des Gefühls- oder Seelenlebens, gleichartig. Die Bewegun-gen der Seele, von der einfachen Empfindung an bis zu denKetten von einzelnen bald einstimmigen, bald einander fremdem oderwidersprechenden Gefühlmomenten, die wir als Stimmungen, alsganze Lebensperioden der Seele auffassen, die uns einenEinblick in das ganze Geistesleben, eine Ahnung derin ihm waltenden Idee gönnen: das alles ist der Musik eigen,folglich von ihr theilnehmend aus der sprachlichen Aeusserung anf-zufassen und wiederzugebähren. Dagegen sind die Sphären der rei-nen Vernunflthätigkeit und der Schilderung, ist Gedanke und Bild oderAnschauung dem Wesen der Musik fremd. Es wird keines weiternBeweises bedürfen, dass alle Beispiele, die wir für die erste unddritte Reihe sprachlicher Aeusserungen gegeben, an sich selber nichtmusikalisch, nicht zu musikalischer Auffassung geeignet sind. Aller-dings kann man zu jenen Worten Töne gesellen, wo wäre dasnicht möglich ?*) aber der Inhalt beider wird nicht zusammengehö-ren, eins wird dem andern widersprechend und störend, das Wortgereicht der Musik zur blossen Last und Hemmniss, die Musik er-stickt das ihr fremde Wort mit seiner Bedeutung.

Wir haben hier von einer scharfen Sonderung des sprachlichenInhalts ausgehn müssen, um feste Anhaltpunkte zu gewinnen, durf-ten uns dabei sogar von solchen Momenten nicht ganz abwenden,bei denen schwerlich irgend ein nur oberflächlich mit der Musik Be-kannter und nicht durch äusserliehe Verhältnisse Genöthigler oderVerleiteter an Komposition denken wird; wem kann es ernst-lich einfallen, sittliche oder wissenschaftliche Wahrheiten für sichselber in Musik setzen zu wollen? Allein in dem Gebiete, wo vor-aussetzlich allein von Komposition die Rede sein kann, tritt der In-halt des Textes nicht so rein einseitig hervor; er ist entweder1) ein gemischter, so dass Schilderung und Gedanke (wie injenen Homerischen Versen) oder Schilderung und Gefühl (wie beijenem Redenden, der seine Stirn vom stolzen Lorbeer, von der trau-rigen Cypresse umzogen sieht) Gefühl und Gedanke, oder alledrei Formen geistiger Thätigkeit sich verknüpfen; oder er ist 2) einsolcher, der noch eine tiefere Beziehung verschwiegenoder an gedeutet in sich trägt, zu der das Geäusserte nurAndeutung ist, gleichsam wie das Räthsel zu seiner Lösung.Ein Beispiel letzterer Klasse ist jenes Goethesche Gedicht:

*) Gretry erbot sich scherzweis, eine holländische Zeitung zu komponiren.