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sich hier einarbeilet, je feiner und tiefer man beobachtet, je hinge-gebner man sich der leidenschaftlichen Gewalt des lebendigen Wortsüberlässt und sie damit zu seinem Eigenlhum macht: desto reicherwird der Geist für Gesangkomposition, für Musik überhaupt befruch-tet werden.
Vierter Abschnitt.
Der Inhalt des Gesangtextes.
Die nächste und folgenreiche Betrachtung gilt dem Inhalt, dersich in der Sprache für Gesang darbietet, durch den das Wort derSprache zur Aufgabe, zum Text für den Gesang wird.
Hier tritt uns vor allem vor Augen, dass der Geist durchdas Organ der Sprache ungleich bestimmter und damit schnel-ler entschieden, schneller verstanden sich kundgiebt,als durch das Organ der Musik. „Ich liebe, ich hasse, ich freuemich, ich traure“ — jedes dieser Worte ist sofort und unzweideu-tig verstanden, sobald es vernommen ist. Wie viel Umschweife,welchen Aufwand von einzelnen Anregungen braucht die treffendsteMusik, um eine dieser Stimmungen in der Vorstellung des Hörershervorzurufen! — Allerdings hat sie dann auch mehr gethan, alsdem einfachen Ausdruck der Sprache möglich war.
Hiermit tritt eine wichtige, durchgreifende Wahrheit für dieGesangkompositiou vor das Auge. Im Bunde der Sprache und Mu-sik ist
die Sprache, — der Text das Bestimmende und die
Musik das Bestim ml werden devermöge der hohem Kraft der Bestimmtheit in der erstem.
Nach dem Inhalte des Textes ist vor allem zu bestimmen :ob derselbe zur Komposition geeignet?
Es ist aber dann weiter nach ihm zu bestimmen,in welcher Weise er komponirl werden kann? —oder um es auf den uns schon geläufigen Ausdruck der Kunstlehrezurückzuführen :
die Form aller Gesangkomposilion bestimmt und
entwickelt sich nach den vom Text gebotenen Ver-hältnissen.
Wir werden in diesem und im zehnten Buch (im vierten Theildes Lehrbuchs) sehn, dass in der Gesangkomposition, — abgesehnvon einigen neu hinzukommenden, — alle bisher uns bekannt ge-wordnen Kunsllormen wiederkehren. Sie alle werden ergriffen und