Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
363
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ein dreifaches E zu unterscheiden; ferner stellen sich zu den Vo-kalen noch die Doppellaute, die theils wieder nur Färbungen derursprünglichen Vokale sind, z. B. Ü und Ä nichts als Modifika-tionen von I und E, theils Verknüpfungen von verschiednen auchin der Verbindung noch getrennt bleibenden Vokalen, z. B. Au, Eiu. s. w.*) Wir haben also auch hier einige Kerngestalten, diemannigfache, zuletzt in einander übergehende Umgestaltungen oderUmfärbungen erfahren.

Zu den Vokalen als ihr Vor- oder Nachlaut kann sich zunächstder Hauchlaut H gesellen, die fühlbar und hörbar gewordne Aus-athmung, das Zeichen einer heftigem Erregung im Athemlebens-prozess.

Die Mitlaute (Konsonanten) endlich sind besondre mittelsdieser oder jener Organe des Mundes gebildete Klänge, die sich denVokalen zugesellen (wie auch ihr Name zeigt) und ihre körperli-chere Abgrenzung bilden. Auch sie stellen sich in gewisse Grup-pen zusammen, z. B. die Folgen von w-v-f-ff, b-p, d-t-lh, s, ss,c, oder verknüpfen sich nach Art einiger Doppellaute unter-scheidbar mit einander, z. ß. pf, st, z oder ct.

So bietet uns also die Sprache eine Reihe mannigfacher Klängein verschiednen Graden und Verschmelzungen, deren jeder seine be-sondre musikalische Wirksamkeit, seinen besondern Klangkaraklerhat. Wenngleich nicht hier, sondern erst in der Musikwissenschafthierauf näher eingegangen werden kann, so musste doch an dieseSeite der Sprache erinnert werden; denn jedes lebhafte und feslge-hallne Gefühl von dem Ausdrucksvollen und Bedeutenden in derSprache kann im Komponisten zu einem karaktervollen Moment derKomposition erwachsen. Es ist auf das Bestimmteste, namentlichan Gluck, dem grossen Sprachmeister unter den Musikern, nach-zuweisen : dass der vollendete Gesangkomponist nicht bloss den all-gemeinen Sinn seiner Aufgabe, nicht bloss die Bedeutung des ein-zelnen Wortes, sondern auch den Klang jedes bedeutsam eintreten-den Lauts in den Kreis seiner Empfindung und daher seiner Schö-pfung zieht, dass bei ihm die Weise, der Ton das Wort, aberauch der Laut den Ton färbt, gestaltet, belebt, und dass so das

*) Es ist vielleicht nicht überflüssig, anzumerken , dass alle unterscheid-bar bleibende Doppellaute im Gesang wo möglich dergestalt umgewandelt werden,dass der erste Laut als A erscheint; z. B. Geist, Einer, Euer wird wie Ga-ist,A-iner, A-üer ausgesprochen, die zweite Hälfte des Doppellauts gleichsamzum nachfolgenden Laut gezogen. So gewinnt der Gesang eine Reihe günstigerAs, die die Sprache nicht hat.