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Dritter Abschnitt.
Die Sprache nach ihrer musikalischen Natur.
Wenn der Verein von Sprache und Musik im Gesang ein sinn-gemässer, kein gegenseitig störender sein soll, so muss es ver-wandtschaftliche Beziehungen für beide, etwas Gemeinsames in bei-der Natur geben, und der Komponist muss sich dessen bemächtigen.Dieses Gemeinsame muss nicht bloss in dem geistigen Inhalt liegen(eine Gemeinsamkeit des geistigen Inhalts, der Idee kann auch zwi-schen unvereinbaren Künsten, z. B. zwischen Poesie oder Musik undMalerei, statthaben ohne Macht, die unvereinbaren zu verschmel-zen), sondern in ihrem wirklichen — geist-leiblichen Wesen. Unddies ist allerdings zwischen Sprache und Musik vorhanden.
Wir finden in dem geistleiblichen Wesen der Sprache alle mu-sikalischen Elemente wieder, nur allerdings in der den Sprachzweekengemässen Gestaltung. Eben hierauf beruht die Möglichkeit, beidesinngemäss zu verschmelzen. Die tiefe Auffassung jener Elementeist eine der wichtigsten Grundlagen für Gesangkomposition.
1. Die Laute.
Erstens bietet uns die Sprache eine grosse Reihe von Klän-gen dar in ihren Lauten. Hier werden bekanntlich zuerst dieSelbstlaute (Vokale) von den Mitlauten , und in beiden Reihen dieMittel- und Mischlaute von den einfachen, so wie hier wieder dieim Wesentlichen gleichen, aber im Grade der Schärfe oder Mildevon einander abweichenden unterschieden.
Am wichtigsten sind uns hier die Selbstlaute, die wir infolgender Reihe
I, E, A, 0, U
aufstellen; wir haben den spitzesten und feinsten vorangestellt, gehenvon da zu dem Mittelvokal A und von diesem weiter zu den dunk-lern und dumpfern. Im A tritt die Stimme vollkommen ungehemmtaus der für ihren Vollklang günstigsten Mundhaltung und Mundöff-nung hervor, im E und noch mehr im I wird sie durch die innereMund- und Zungenbaltung zusammengedrückt und geschärft, im 0und noch mehr im U wird sie durch die äussere Mundhallung imHeraustreten gehemmt und verdunkelt.
Es folgt schon hieraus: dass man die Gesangpartien, die am hell-sten, ungetrübtesten hervortreten sollen, mit keinem Laut günstiger,als mit dem A, mit keinem ungünstiger, als mit I und U verbinden darf.
Jeder dieser Vokale hat Abstufungen grösserer Helle oder Schärfeund Dumpfheit, — es ist z. B. ein spitzeres und ein milderes I (Y),