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3 (1857)
Entstehung
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erschallen sollen und in zu grosser Tiefe matt verloren gehn,oder von zu hoch gelegten, die falsettirt oder heftig herausgestossenwerden müssen und beiläufig die Sänger erschöpfen, während siesanft, ausdrucksvoll, edel hervortreten sollten ! und wie viel schöne,tiefgefühlte Gedanken sind auf solche Weise ihrer Wirkung zumVoraus verlustig!

Dann aber und dies erachten wir wegen seiner Rückwirkungauf den Geist des Komponisten für noch wichtiger bietet jedeStimmklasse durch ihren besondern Umfang, durch die eigentluirn-liehe Lage ihrer Mitteltöne u. s. w., durch den hierdurch unterstütz-ten Karakter ihres Klangs und ihrer ganzen Weise dem Komponi-sten ein festes Karakterbild, bieten alle vier Klassen ihm einen Kreisbestimmter, karakterislischer Ideal-Personen und befördern so imKomponisten das, worauf zuletzt in der Kunst Alles ankommt: sieheben ihn aus dem Allgemeinen, Abstrakten, Unbestimmten in dasGebiet der bestimmten Wahrheit, des Individuellen und Karakteri-stischen; und zwar in grossartiger Weise, frei von allem kleinlichund eng Persönlichen. Es sind hier nicht einzelne Menschen mitden Zufälligkeiten und Besonderheiten, die an jedem haften, sondernes sind in grossem Styl*), in grossartiger Auffassung die bedeu-tungsvollen Gegensätze, die sich in der JNatur des Menschen her-ausstellen: der Diskant und Alt weiblich, der Tenor und Bassmännlich; der Diskant jugendlich, jungfräulich, zu froherleichter Bewegung, auch zu heisser weiblicher Leidenschaftlichkeitgeneigt, der Alt mehr matronenhaft, ernster und inniger, weicherelegischer Rührung, tiefer Klage und Trauer seine Weisen darbie-tend, der Ten or jünglinghaft, bald für schmelzende Innigkeit, baldfür glühende Leidenschaft erregt, der Bass männlich reifer, vonkernignachhalliger Kraft, würdig und ruhig, aber gewaltsamer Aus-brüche der Leidenschaft fähig; die hohen Stimmen, Diskantund Tenor, heller, beweglicher, die tiefen Stimmen, Alt undBass, dunkler, ruhiger.

Alle diese Andeutungen denn wer könnte ohne förm-liche Abhandlung so inhaltvolle Karaktere erschöpfend schildern !können eben nur Hinweisungen auf den reichen und in jedem Zugbedeutsamen Gegenstand sein; weder sie noch eine viel vollständi-gere Schilderung können ihn erschöpfen, sie können und sollen nuraufmerksam machen, die eigne Beobachtung wecken und leiten. Dieseaber darf kein Komponist sich erlassen oder vor dem Angewinneiner sichern und tiefen Versländniss fallen lassen; überall muss erden Klang und die ganze Weise jeder Stimmklasse an ganzen Mas-sen im Chorgesang, wie an möglichst vielen Einzelnen beobachten

') Vergl. Th. I, S. 339, Allgem. Musiklehre, S. 150.