Von den Gränzbeslimmungen der vier Slimmklassen ist mehroder weniger dasselbe zu sagen; man findet in jeder Klasse Indi-viduen, deren .Umfang nach Tiefe oder Höhe bedeutender oder ge-ringer, deren Mittellöne etwas mehr nach der Höhe oder Tiefe ge-rückt oder ausgedehnt, deren tiefe Töne stärker, deren hohe mil-der sind*). Demungeachtct werden sich obige Bestimmungen alsGrundmaass für die Mehrzahl der Sänger wohl bewähren, und ebenauf ein solches Grundmaass kommt es dem Komponisten hauptsäch-lich an.
Zwischen diesen vier Haupiklassen treten nun noch Mittel-klassen auf, von denen wir nur den Mezzosopran — eineStimmgattung, die die Milte hält zwischen Sopran und Alt und etwavom kleinen b oder n bis zum zweigestrichnen f oder g, — undden Bariton — eine hohe, sich dem Tenor nähernde Bassstimme,die vom grossen A bis zum eingestrichnen f reicht — anführen;die Mille beider Stimmen würde etwa von f bis c oder d gehen.Der Mezzosopran wird jetzt stets im Diskant- oder Violinschlüsselgesetzt**), der Bariton im F-Schlüssel. Ausserdem unterscheidetman auch wohl hohen und tiefen Sopran, Tenor und Bass, Alt undKonlraalt ( contr'alto, tieferer Alt) ***); doch sind alle diese Neben-ahtheilungeu nur von untergeordneter Bedeutung.
Wichtig aber im hohen Grade ist das Stadium und die lebendige,für immer festgeslellle Einprägung der Hauptklassen. Zunächst musses einleuchten, wie übel beralhen ein Komponist ist, der den Stim-men etwas zumuthet, das sie nicht oder doch nur unbefriedigendzu leisten vermögen; — und wie voll sind, wenn wir eine Massevon Kompositionen durchgehn, die Stimmblätter von Sätzen, die stark
*) Daher kann es nichl befremden, wenn man auch bei den Lehrern abwei-chende Bestimmungen findet; in früherer Zeit wollte man sich mit EinemSchema für alle Stimmen —
behelfen, was denn wohl mehr bequem als richtig erscheint. Selbst die Zeitändert hier vielfach. So haben Hach und Händel ihre Altstimmen bis zumkleinen f (der Venelianer B e n e d e t t o Marcello sie bis zum kleinen d) hin-unterführen dürfen, weil ihre Chöre mit Knaben — mit grellem und liefernStimmen — besetzt wurden, während unsre Sängerinnen, mit denen unsre Chöremeist besetzt werden, selten so tierreichende und in der Tiefe so kräftige Stimmenhaben. — Wir werden schon hier gewahr, dass das Studium selbst der bewähr-testen Meister ohne Berücksichtigung der Verhältnisse leicht irre führen kann.
**) Er erhielt früher auch wohl seinen C-Schlüssel auf der zweiten Linie,so dass die fünf Linien von klein a bis eingestrichen li reichten. Wohl ange-messen — wenn die Unterscheidung wichtig wäre.
***) Ziemlich von gleicher Stimmlage war die von den Franzosen, z. B. zuGluck’s Zeit, mit haute-cuntre bezeichnete Stimme, ein um drei, vier Stufenhoher liegender Tenor.