Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
353
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Zweiter Abschnitt.

Das Stimmorgan.

Wir lassen jetzt das Spracliorgan ganz bei Seite und betrachtendas eigentliche Stimmorgan im Verein mit dem Organ des Athems,durch das jenes erst in Wirksamkeit gebracht wird.

1. Der Athem.

Das Erschallen der menschlichen Stimme, die Kraft und Dauerdesselben hängt zunächst von der Masse und Verwendung des Athemsab. Die letztere ist ein wichtiger Gegenstand des Singstudiums, dasdurch sparsame und wohlgerichtete Verwendung des Athems rich-tige Intonation und möglichste Ausdauer im Gesänge zu fördern hat;für uns liegt dieser Gegenstand seitwärts, obwohl seine Kenntnisswie überhaupt das Gesangstudium jedem Komponisten wichtig ist.Wie sehr nun auch das Studium der Alhemverwendung zuHülfe komme, jedenfalls bedarf der Sänger häufiger Erneuung desAthems, und zwar einer um so häufigem, je tiefbewegter oderleidenschaftlicher der vorzutragende Gesang ist. Jedes Einathmenist aber Unterbrechung des Gesangs, und es liegt nicht blossdem Sänger, sondern schon dem Komponisten ob, dafür zu sorgen,dass diese Unterbrechungen ohne Nachtheil für den Sinn der Kompo-sition geschehn können. Der Sänger benutzt dazu Pausen und dieAbsätze der Abschnitte und Glieder in der Melodie wie im Texte.Der Komponist aber hat zu weite Abschnitte oder Sätze möglichstzu vermeiden und das Gefühl für das Athembedürfniss des Sängersin sich rege zu halten, damit die Komposition sich auch in dieserHinsicht schon instinktartig sangmässig gestalte und dem Sänger we-der unnöthige Anstrengung, noch sinnwidrige Zerstückelung der Me-lodie aufgenöthigl werde.

Was nun

2 . die Stimme

selbst betrifft, so ist sie bekanntlich einer bedeutenden Kraft undFülle des Schalls, und innerhalb ihres Umfangs aller Tonab-stufungen fähig, nicht bloss der in unserm Tonsystem aufgenomm-nen Ganz- und Halbtöne, sondern aller dazwischen liegenden, diezwar nicht genannt und vorgeschrieben, wohl aber als Vortragsmil-tel, durch Ueberziehn von einer festen Tonslufe zur andern,benutzt werden können. Innerhalb dieses Tongebiets ist die Stimmefähig, durch die mannigfachsten Stärkegrade, durch Au-und Abschwellen, Binden und Stossen der Töne, durchMarx ,, Komp. L. III. 3. Aufl. 23