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ihre Ausübung' ist unsichrer, als die der näher am Quell der Har-monie gelegnen Akkorde; — und so erhalten wir hier noch nach-träglich einen Erlährungsbeweis lür die Wahrheit des Harmonie-systems.
An den Modulationen ist noch zuletzt das Wesen des Gesang-organs und des in ihm besonders wachen Musiksinns zu beobachten.Während die Instrumentalmusik allerdings eines weiten Gebiets vonTonarten bedarf, um sich in diesen Räumen (Th. I, S. 249) nachdem Erfoderniss ihrer Idee oft sehr wcehselvoll, oft in kühnen Wen-dungen zu ergehn und auszusprechen, scheinen dem Gesang so zahl-reiche, oder so kühn schlagende Modulationen weder nölhig, — dennseine Aufgabe ist, sich in den herrschenden Affekt zu verliefen, ihnzu steigern oder zu sänftigen, oder auch nach der Natur des Ge-fühllebens in den einfachen Gegensatz überzugehen, — noch zu-sagend ; zahlreiche und entfernte Modulationen gelingen und wirkenim Gesang weniger, als im Instrumentale.
Es wäre, wie schon gesagt, ein Missverstand, der das Wesender Kunst aus den Augen Hesse und der Freiheit des Künstlers einEnde machte, wenn man diese Bemerkungen zu Gesetzen erheben,etwa dem Komponisten vorschreiben wollte, welche Rhythmen, Ton-folgen, wie viele und wie weite Modulationen u. s. w. er in Gesang-konipositionen sich gestatten dürfe. Vielmehr ist hier wie überalldas dem System nach Entfernteste, das aus allgemeinen RücksichtenBedenklichste zulässig, wenn die besondre Idee der Kompositiones als das ihr Eigne oder Zusagende fodert. Daher war’ auch nichtsleichter, als zu jeder der obigen Bemerkungen eine Reihe von Fäl-len aufzufinden, in denen das als bedenklich ßezeichnete mit Glückund Recht angewendet worden; auch lässt sich das an sich Ungün-stige durch mancherlei Ilülfsmittel erleichtern, wie z. B. jenen ßeet-hoven’schen, den Rhythmus verwischenden Bindungen in No. 394der scharf markirende Gegensatz befestigend zu Hülfe könnet. Al-lein auch abgesehn von solchen hülfreichen Nebenumständen würdenalle diese Fälle nur beweisen, was wir überall bestätigt gefunden:dass das oberste Gesetz für jede Kunstschöpfung nur in ihrer eig-nen Idee zu linden ist. Auch hier also wollen wir uns vor ab-strakten Gesetzen verwahren, wohl aber das Wesen der Kunst vonseinen allgemeinsten bis zu den besondersten Beziehungen uns klarund vertraut zu machen streben. Und hierzu können jene Bemer-kungen, kann die durch sie alle hindurchgehende Wahrnehmung:wie tief und stark das Musikgeluhl im Gesangorgane lebt und wietielvvirkend darum jeder Zug in der Gesaugkomposition, wie bedenk-lich eben hier jeder Fehlgriff ist, allerdings die Balm eröffnen.