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Betätigung der Singorgane das unmittelbare Erzeugnis und derunmittelbare Ausdruck der musikalischen Regung; diese Regung undjene Aeusserung oder Betätigung sind so innig verbunden, wieLeib und Seele.
Nicht in gleicher Weise verhält es sich mit der instrumentalenHervorbringung der Musik. Bei allen Instrumenten wirdder Schall aus einem todten Werkzeug hervorgerufenund hängt zunächst und hauptsächlich von dessen Beschaffenheit ab;die Einwirkung des Menschen auf diese Instrumente ist aber Vor-zugs weis’ eine mechanische, — obwohl bei dem Druck der spie-lenden Hand und noch mehr bei dem Einhauch in das Blasinstrumentund der Mitthätigkeit des Mundes eine gewissermassen sympathe-tische Theilnahme des Gefühls nicht unbeachtet bleiben kann.
Aus dieser Anschauung des Gesangorgans ergiebt sich so-gleich, dass demselben nur solche Betätigung gemäss und durchdasselbe zweckmässig wirksam sein kann, die eben so unmittelbarund einfach aus dem Gefühl der musikalisch angeregten Seele her-vorgeht, die die reinen, gleichsam ursprünglichen Regungen des Em-pfindens musikalisch wiedergiebt. Wie weit auch die Musik fähigsei, Vorstellungen, Ideen mannigfacher Art zu verwirklichen, oderahnen zu lassen, — eine Frage, die erst in der Musikwissenschafterörtert werden kann, — und wie weit und reich sich auch zusolchen Zwecken der Kreis ihrer Mittel und Gestaltungen in derInstrumentalmusik ausdehne: die Gesangmusik ist schon durch dasWesen ihrer Organe vorzugsweis — mit nicht entscheidenden,erst in der Musikwissenschaft zu berührenden Ausnahmen — aufden reinen Ausdruck der menschlichen Seele n b e w e -gungen angewiesen, da sie in all’ ihren Elementen schon gar nichtsAndres ist, als Ausbruch, Ausdruck dieser Erregungen.
Von Grund aus hat daher vor allem die Gesangkomposition die-sem ihrem Ursprung unverbrüchlichste Treue zu bewahren; Verir-rung, Willkühr oder Unwahrheit ist in ihr um so viel mehr störendund verletzend, je enger sie organisch mit dem Gefühl im Menschenzusammenhängt. Dafür spricht aber auch die Wahrheit und Tiefeder Gemütsbewegung aus ihr um so viel mächtiger, als aus dendem Menschen entlegnem Organen der Instrumentalmusik.
Alle Gesetze ferner, die wir überhaupt in der Musik erkennen,werden in der Gesangmusik von doppelter Wichtigkeit, Verstössegegen jene werden in dieser von doppeltem Nachtheil sein. Ueber-blicken wir alle Grundgestaltungen der Musik, so ergiebt sich ausobiger Ueberzeugung eine Reihe leitender Bemerkungen, die sichweder für ganz erschöpfend ausgeben wollen ("denn wer kann hoffen,alle Wege und Abwege der schöpferischen Thätigkeit vorauszusehn ?),