Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
339
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dition über die Vortragsweise des Komponisten und seiner Nächst-angebörigen in Wirkung und Verbreitung hinderlieh geworden.Bloss das Eine sei angemerkt, dass aus hastig, unslät vorüberja-gender Tonflucht sich endlich feste Harmoniemassen emporheben undals Hauptparlie der Fantasie ein tief bedeutungvolles Rezitativ garViel zu klagen und zu erzählen hat, ehe die Fuge ihren festemGesang anstimmt und denselben zur Macht eines grosssinnig klagenden Hymnus emporhebt.

Hier deutet schon die wesentlich nicht der Instrumentalmusikeigne Form des Rezitativs an, dass dem Tondichter wohl eine be-stimmtere Idee vorgeschwebt haben müsse. Ein Gleiches liesse sichvon der zuvor erwähnten CVsmoll-Sonate von Beethoven nach-weisen, deren drei Satze eine durchaus psychologische Folge vonSeelenzuständen enthüllen. Gleichen Antrieben, jedoch von ganzabweichendem Inhalt, ist der Verfasser sich bewusst, in seinen vier-händigen FantasienUm Mitternacht undAm Nordgestade*)gefolgt zu sein. Das Fugato, das die erstere eröffnet, der Ueber-gang desselben zu einem Arioso oder Monolog, der heftige Allegro-satz, in dem Liedform und Doppelfuge sich mischen, die Erinnerungau den Anfang: das Alles möchte wohl nicht ohne innere Nolhwen-digkeit so geworden sein, da äusserlich bequemere, annehmlichere,gewohntere Gestaltungen näher oder eben so nahe gelegen hätten.Allein dem Künstler stellen sich bisweilen andre Aufgaben, als diezunächst liegenden und zunächst fasslichen; er geht nicht ihnen,sie gehen ihm nach und er muss ihnen gehorchen.

ln andern Fantasien ist eine bestimmtere Idee nicht nachweis-bar; wenigstens wüsste der Verfasser sie in der andern Sotiataquasi vna Fantasia (aus Ifsdur) von Beethoven, in den zahl-reichen Fantasien Seb. Bachs (mit Ausnahme der chromatischen),so wie in Mozarts Cdur- und dessen grosser Cmoll-Fantasienicht aufzufinden. Hier waltet eben die fesselios schweifende Phan-tasie des Tondichters und reiht Stimmungen an einander, die sichnicht weiter haben bestimmen lassen. Es tritt hier die andre Seiteder Musik (und des Seelenlebens) hervor, die nicht sowohl aus An-regungen zu bestimmtem Gefühlen und Vorstellungen vorschreitet,sondern vielmehr umgekehrt das Feste, das in Bewusstsein oder Stim-mung vorhanden war, auflöset und wie im Halbschlummer oderTraum Eins um das Andre vorüber- und dahinschwinden lässt aufden luftigen Tonwellen und gleich ihnen.

Man würde eben so arg fehlen, wenn man diese oft so reiz-vollen , oft wahrhaft beseligenden Träume verbannen oder geringachten, als wenn man jene Bildungen von bestimmtem! Inhalt verkennen

*) Bei Hofmeister in Leipzig herausgegeben.

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