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3 (1857)
Entstehung
Seite
337
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begegnen, von denen sich gar nicht mit Bestimmtheit sagen lässt,ob sie hüben oder drüben zu Hause sind.

So hat Beethoven zwei Sonaten (Esdur und C/smoll, Op. 27)den Beinamenquasi una Fantasia gegeben, um die Ab-schweifung von der festem und vollständigen Sonalenform anzudeu-ten ; es liegt in der Benennung selbst ausgesprochen, dass sichnicht habe festsetzen lassen, ob die Kompositionen Sonaten odernicht vielmehr Fantasien seien. Umgekehrt hat uns Mozart mitzwei Kompositionen (sie gehören zu seinen schönsten Klavierwerken)beschenkt, die so fest geformt sind, ja noch einheitvoller, alsirgend eine Sonate, gleichwohl von der Grundform der Sonate ent-schieden abweichen. Die eine bringt nach einem einleitenden Adagio(No. 372) einen sonatenförmigen Satz (No. 383) als Hauptparliedes Ganzen und kehrt von ihm auf das einleitende Adagio zurück,das in weiterer tiefernster Ausführung den Schluss des Ganzen bil-det; die drei Sätze, Emoll, Fdur, jFmoll, sind formell engverbunden, indem die beiden ersten auf der Dominante schliessen,also zum weitern Fortgange drängen*). Die andre Komposition**)hat eine sehr ähnliche Konstruktion. Sie stellt zuerst nach einerEinleitung im selben Tempo (Allegro, Emoll) ein Fugato auf, dasin kühner Modulation zum Einleilungssalze zurückgreift und auf derDominante schliesst. Hier also ohne Abschluss folgt insfs dur ein seelenvolles Andante, das wieder auf die Einleitung(erst ^dur, dann Fmoll) zurückführt, und zwar ebenfalls ohnefesten Abschluss. Auch das Fugato, mit einem neuen Gegensatzund neuer Behandlung, kehrt wieder, der Einleitungssatz gieht aber-mals den Schluss und damit das Ende des Ganzen. Diese letztereKomposition steht der Grundform der Sonate insofern noch näher,als die erslere, weil sie mit lebhaften Sätzen beginnt und schliesstund einen langsamem in die Mitte stellt. Gleichwohl hat Mozartdiese Fantasie und jene Sonate genannt, ein offenbares Zeugniss,dass auch er strenge und sichere Bezeichnung der Form un-möglich fand. Von der Sonate unterscheiden sich übrigens beideKompositionen nicht bloss dadurch , dass ihre Sätze stets in einan-der überführen, sondern auch durch die Rückkehr auf den erstenSatz, während die Sonate zwar an denselben erinnern kann, stetsaber ein eigenthiimliches Finale bringt.

Freier gestaltet sich schon Mozarts Fantasie und Fuge***)

*) Hier ist der alte, S. 322 in Erinnerung gebrachte Gegensatz: RuheBewegung Ruhe, also Norm geworden.

**) Sie ist ebenfalls vierhändig und findet sich im achten Heft der ßreitko/if-Härtelschen Ausgabe (ist in neuer Ausgabe auch einzeln erschienen). Vergl.Th. II, S. 475.

***) Im achten Heft (No. 4 der einzeln herausgegebnenZwölf Klavierstücke 1 ').Marx , liomp. L. III. 3. Aufl- 22