Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
335
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einen zweiten ebenfalls zweiteiligen, abermals in Es dur stehenden,stark nach Cdur hinwendenden Liedsatz bringt und mit der Wie-derholung des ersten Liedsatzes schliesst. Nun folgt, gleichsamals Trio zu dem Vorangegangnen, ein lebhaftes Allegro (zwei-theiliges Lied) in Cdur, und dann die Wiederholung des erstenLiedsalzes, in Es, mit einem Anhänge. Diese ganze Masse ist alserster Satz anzusehn, wenigstens ein abgerundeter Inbegriffvon Gedanken an der Stdle eines ersten Satzes. Darauf folgt alszweiter Satz ein Allegro molto vivace , ein normal ausgebildetesScherzo, ein Adagio (^jfiur) und das S. 310 besprochne Finale.Dieses aber schliesst nicht unmittelbar ab, sondern zieht nach einemHalt auf der Dominante den Hauptgedanken des Adagio, diesmalim Haupttone (j&fdur), nach sich; nun erst wird im Tempo und ausMotiven des Finale wirklich geschlossen.

Achter Abschnitt.

Die Phantasie.

Ueberall haben wir, von einer Grundform als Kern einesganzen Formengebiets ausgehend, eine Reihe von Gestaltungen ge-funden, die sich von jener Grundform aus mannigfachen Gründenmehr und mehr loszulösen, zu emanzipiren suchten, selbst bis zurGränze einer andern Form und über sie hinaus. So hat sich auchin der letzten Reihe von Fällen ein immer grösseres Loslösen vonder Grundform der Sonate ergeben, so dass in den letzten vom Rc-griff der Sonate im Grunde doch nur das Allgemeine blieb : sie seiein Inbegriff verschiedner selbständig geformter und abgeschlossner,durch eine das Ganze durchdringende oder schaffende Idee undStimmung einheitlich zusammengehöriger Sätze. Und auch das nicht;mehrmals fanden wir das Adagio nicht selbständig abgeschlossen;sogar die Bildung einzelner Sätze, z. R. des ersten in der zuletzterwähnten Komposition, wich von den regelmässigen Formen mehr-fach ab.

So sind wir denn in der That bereits zu dem Funkte gelangt,wo wir jede der bisher festgestellten Formen, Satz und Gang,Lied und Fuge, Rondo und Sonate, und wie wir sie sonst nochnennen und gegen einander stellen mögen, frei ergreifen undfrei wieder verlassen, wie uns die höhere Idee eines grossem Gan-zen oder auch die ziel- und fessellos schweifende Laune geradeeingiebt. Wissen wir doch (Th. II, S. 93) längst, dass sich einewillkührlich reiche Zahl von Liedsätzen, etwa wie eine Folge