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Zweitens sehn wir bisweilen den Kreis der Sätze unvoll-ständig — oder vielmehr unvollzählig — gezogen. So fehlt inBeethoven’s 2?moIl-Sonate, Op. 90, der Mittelsatz, das Adagio,ganz; was dieses hätte aussagen können, ist in dem tief gefühltenersten Satze mit aller Energie eines ersten Allegro und aller In-nigkeit eines Adagio schon zur Sprache gebracht. So besteht dieCmoll-Sonate, Op. 111, nächst der Einleitung nur aus einem erstenSatze (Cmoll) und einem Adagio, einer Ariette (Cdur) mit Varia-tionen. Die Idee des Tongedichts wollte es so; kann sie auchnicht hier zur Erörterung kommen, so fühlt doch Jeder schon ohneihre Enträthselung, erkennt man schon an der Fülle des zweitenSatzes, dass kein dritter folgen konnte und durfte. — Auch dieCYsmoll-Sonate gehört hierher, die Adagio, Menuett oder Scherzo(Allegretto genannt) und Finale, also die drei letzten Sätze einerviergliedrigen Sonate ohne den ersten Satz aufstellt; wiederum dertiefen Idee getreu, die sie schuf.
Drittens finden wir bisweilen den Karakter der vollständigvorhandnen Sätze wesentlich anders bestimmt. Einigermassen könnteschon Beethoven’s S. 256 angeführte Es dur-Sonate hierher ge-rechnet werden. Nach dem Hauptsatze giebt sie ein Scherzo (insehr frei modulirter Sonatenform), dann statt des Adagio eine Me-nuett, obwohl in mässiger Bewegung, dann das Finale. Entschied-ner ist das Beispiel der Beeth oven’schen As dur-Sonate, Op. 26.Statt der Sonatenform, die im Allgemeinen unstreitig die angemes-senste für den ersten Satz ist, bringt diese Sonate ein Andantemit Variationen, dann folgt ein Scherzo ; statt des Adagio oder alssolches ein Marsch (Marcia funebre sulla morte d'un eroe), nachihm das Finale. So giebt auch Mozart in der zweiten Sonate desersten Hefts (No. 2 der Einzelausgabe) erst Variationen, dann einTempo di Minuelto , als Finale das bekannte Alla turca. Der ersteund letzte Satz des Mozart’schen Werks (dem wir mehr als einähnliches zufügen könnten) ist reizend, die B ee th o ve n’sche So-nate ist in jedem Satze bedeutend; doch würden wir nur bei denbeiden letzten Beethoven’schen Sätzen die Idee dieser Kombina-tion mit einiger Sicherheit aufzuweisen vermögen.
Einen anziehenden, unstreitig tiefer begründeten Fall sehnwir in der A dur-Sonate, Op. 101. Nach dem ersten Satze folgt —in Fdur und Hdur ein Scherzo in der Form eines mächtig sich em-porkämpfenden Marsches mit Trio; das Adagio (hauptsächlich ^moll)ist unselbständig, wie die S. 332 erwähnten, mehr eine Ueberleitungzum Finale; doch wird zwischen beiden noch der Hauptgedankedes ersten Satzes zurückgerufen. — Das letzte hierher gehörigeBeispiel bietet endlich die Sonata quasi una Fantasia in j&sdur.Der erste Satz ist ein Andante, das einen zweitheiligen Liedsatz,