Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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334
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Zweitens sehn wir bisweilen den Kreis der Sätze unvoll-ständig oder vielmehr unvollzählig gezogen. So fehlt inBeethovens 2?moIl-Sonate, Op. 90, der Mittelsatz, das Adagio,ganz; was dieses hätte aussagen können, ist in dem tief gefühltenersten Satze mit aller Energie eines ersten Allegro und aller In-nigkeit eines Adagio schon zur Sprache gebracht. So besteht dieCmoll-Sonate, Op. 111, nächst der Einleitung nur aus einem erstenSatze (Cmoll) und einem Adagio, einer Ariette (Cdur) mit Varia-tionen. Die Idee des Tongedichts wollte es so; kann sie auchnicht hier zur Erörterung kommen, so fühlt doch Jeder schon ohneihre Enträthselung, erkennt man schon an der Fülle des zweitenSatzes, dass kein dritter folgen konnte und durfte. Auch dieCYsmoll-Sonate gehört hierher, die Adagio, Menuett oder Scherzo(Allegretto genannt) und Finale, also die drei letzten Sätze einerviergliedrigen Sonate ohne den ersten Satz aufstellt; wiederum dertiefen Idee getreu, die sie schuf.

Drittens finden wir bisweilen den Karakter der vollständigvorhandnen Sätze wesentlich anders bestimmt. Einigermassen könnteschon Beethovens S. 256 angeführte Es dur-Sonate hierher ge-rechnet werden. Nach dem Hauptsatze giebt sie ein Scherzo (insehr frei modulirter Sonatenform), dann statt des Adagio eine Me-nuett, obwohl in mässiger Bewegung, dann das Finale. Entschied-ner ist das Beispiel der Beeth ovenschen As dur-Sonate, Op. 26.Statt der Sonatenform, die im Allgemeinen unstreitig die angemes-senste für den ersten Satz ist, bringt diese Sonate ein Andantemit Variationen, dann folgt ein Scherzo ; statt des Adagio oder alssolches ein Marsch (Marcia funebre sulla morte d'un eroe), nachihm das Finale. So giebt auch Mozart in der zweiten Sonate desersten Hefts (No. 2 der Einzelausgabe) erst Variationen, dann einTempo di Minuelto , als Finale das bekannte Alla turca. Der ersteund letzte Satz des Mozartschen Werks (dem wir mehr als einähnliches zufügen könnten) ist reizend, die B ee th o ve nsche So-nate ist in jedem Satze bedeutend; doch würden wir nur bei denbeiden letzten Beethovenschen Sätzen die Idee dieser Kombina-tion mit einiger Sicherheit aufzuweisen vermögen.

Einen anziehenden, unstreitig tiefer begründeten Fall sehnwir in der A dur-Sonate, Op. 101. Nach dem ersten Satze folgtin Fdur und Hdur ein Scherzo in der Form eines mächtig sich em-porkämpfenden Marsches mit Trio; das Adagio (hauptsächlich ^moll)ist unselbständig, wie die S. 332 erwähnten, mehr eine Ueberleitungzum Finale; doch wird zwischen beiden noch der Hauptgedankedes ersten Satzes zurückgerufen. Das letzte hierher gehörigeBeispiel bietet endlich die Sonata quasi una Fantasia in j&sdur.Der erste Satz ist ein Andante, das einen zweitheiligen Liedsatz,