Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
330
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Dieser Umkreis ist aber auf mehr als eine Weise erweitertworden: durch Einfügung eines vierten Satzes, gewöhnlich Me-nuett oder Scherzo genannt, durch Einleitung in dasGanze oder den ersten Satz,durch Einleitung in andre Sätze.Das sind die Momente, die wir hier zu überblicken haben ; einereigentlichen Lehre bedarf es dabei nicht.

1. Menuett.

Der entschiedenste Schritt über die Dreisatzigkeit der Sonategeschieht durch Zufügung eines neuen Satzes lebhafterer Bewegung,früher stets Menuett, seit Beethoven bald Menuett, baldScherzo, auch wohl gar nicht besonders genannt.

Die Stelle dieses Satzes war früher, namentlich bei Haydn,der hier als wahrer Begründer zu nennen ist, stets nach demlangsamen Mittelsatze; er sollte gegen den Ernst oder die tiefereVersenkung desselben einen erheiternden Gegensatz, zwischen ihmund dem bedeutenden Finale einen Moment leichtern Ergehens ge-währen. Seit Beethoven (auch früher, z. B. bei Dussek) trittdieser Satz auch bisweilen vor dem Mittelsatz aul. Die Entschei-dung über diese beiden Stellen ist nur nach der Idee und demBediirfniss jedes einzelnen Kunstwerkes zu treffen. Wenn z. B.ßeethovens so strebsam, so lebensfrisch beginnende Z?dur-So-nate, Op. 10, im Largo einer tiefen, bis zu unheimlicher Vergrä-mung hinabsinkenden Schwermut!] Raum giebt: so bedarf es nach

diesem Satze des trostmilden, im Trio frisch ermuthigenden neuenSatzes (Menuett genannt), um aus jener Nacht des Grams zu neu-erfrischtem gesundem Leben sich aufzuraffen, das im Finale sich regtund das ganze Werk einheitvoll abscbliesst. Und wenn wiederumderselbe Tondichter in seiner ^sdur-Sonate, Op. 110, dem erstenSatz, obwohl mit Moderato (also Allegro moderato) bezeichnet,den unverkennbaren Karakter eines Adagio (er setzt auch demModerato ein cantabile molto espressivo zu) ertheilen muss: sofolgt schon hieraus, abgesehn von den Beweggründen , die ausder Idee des Ganzen hervortrelen, dass nun nicht sofort einAdagio (gleichsam ein zweites Adagio) folgen könne, sondern einSatz lebhafter Bewegung folgen müsse. So erscheint es auch in dergrossen B dur-Sonate, Op. 106, sogleich unausführbar, dass nachdem übergewalligen ersten Allegro ein ihm entsprechendes Adagiofolge. Je tiefer letzteres sich gebähren müsste, um dem ersten Satzebenbürtig und zulässig zu sein , desto unvereinbarer und unerträg-licher würde der Gegensatz beider, in gewissem Sinne des höch-sten Allegro und des tiefsten Adagio* in der Sonatenwelt, auf-fallen; es bedarf des vermittelnden Zwischensatzes, den Beetho-ven Scherzo vivace assai überschreibt.