Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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dass man nie an die Ausführung eines Werkes gehe, ohne des-sen Idee wenigstens in den Hauptmonienten gefasst, durchge-lebt oder geistig durchgearbeitet zu haben.

Man muss trachten, vom Gange des Ganzen, also aller seinerSätze wenigstens eine allgemeine Vorstellung, gleichsam An-klänge, Grundklänge von seinen Hauptmomenten festzuhalten;wie der Maler jedes grössere Bild erst mit den flüchtigsten, nur dasAllernothwendigste andeutenden oder umreissenden Zügen gleichsamaufzuhaschen trachtet und erst dann in oft wiederholten Entwürfenund Studien zur reifen Vollendung führt.

Wenn in diesem ersten Akt der Schöpfung das Ganze so weiteingelebt und befestigt ist im Künstler, dass nun das eigentliche(schriftliche) Entwerfen beginnt: so ist ferner im gleichen Sinnerathsam:

dass man wo möglich das ganze Werk in einem Gusse seies auch in den flüchtigsten Zügen von Anfang bis zu Endeentwerfe.

Dies sichert am besten die Gleichheit der Stimmung und Ein-heit des Ganzen, und entzündet schon durch die Aufregung der Gei-stesarbeit zu höherer Glut.

Allerdings wird aber dieses Glück uns nicht immer, ja verhält-nissmässig selten zu Theil; bald versagt die Kraft, bald stören un-abweisliche Verhältnisse. Dann ist wenigstens das höchst rathsam:dass man wo möglich keinen Satz im Entwurf unvollendet lasseund auch von dem vollendeten Entwurf eines Satzes nichtscheide, ohne wenigstens die ersten Momente des folgendengewonnen und festgehalten zu haben.

Sie sind der Funke, an dem sich in einer zweiten schöpferi-schen Stunde das Feuer wieder entzündet, an dessen geheimem Fort-glimmen die Stimmung sich hinüberlebt und glückliche Einheit desneuen Satzes mit dem ersten verbürgt.

Wie viel nun einem Jeden und in jedem einzelnen Falle hierinGlück beschieden und Arbeit erspart oder auferlegt sei: das mussJeder an sich erfahren und danach seine Arbeit weise regeln.

Sechster Abschnitt.

Die Sonate mit mehr Sätzen.

Im vorigen Abschnitte wurde die Gestaltung der Sonate ausdrei Sätzen betrachtet. Sie darf als Grundgestalt gellen, weil jenedrei Sätze den nothw'endigen Gegensatz (S. 322) aussprechen undin allen regelmässigen Gestaltungen vorhanden sind.