Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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dern nach vorbestimmten Zwecken und Formen unternommen wird.Auch auf solchem Weg ist viel Erfreuliches geleistet worden, undes lässt sich nachweisen, dass selbst die bedeutendsten Künstler ihnoft gegangen sind. Demungeachtet ist er nicht der Weg, der unsdas Höchste hoffen lässt, und für ihn giebt eben die Erkenntniss derFormen genügende Anleitung.

Nur eine Bemerkung scheint hinsichts des Finale noch derErwägung werth, zumal wenn es Sonatenform oder sonatenartigeRondoform hat. Im erstem Falle steht es alsdann dem ersten Satzegleich, im andern sehr nahe. Demungeachtet ist seine Bestimmungeine ganz andre, als die des ersten Satzes, und dies kann nicht ohnewesentlichen Einfluss auf den Inhalt bleiben. Der erste Satz ist es,in dem das ganze Werk frisch geboren heraustritt in die Welt,kräftig und entschieden die Wirksamkeit des Ganzen beginnt; derletzte Satz ist es, mit dem diese Wirkung sich vollendet , also zuEnde geht, die Erregung und Bethätigung des Komponisten alsozur Buhe des Volleudelhabeus zuneigt. Wie spricht sich dies inder Ausgestaltung des Satzes aus?

Dadurch, dass das Finale in welcher Form es auch erscheine sich gleichsam als Ein grosser S chlus ss atz , oder noch ent-schiedner gesagt: als Ein Schluss bezeige. Und zwar in allenElementen der Komposition.

Die m o d u 1 a t o ris c he Konstruktion wird im Finale zu-sammengehaltner; sie entsagt nicht bloss im allgemeinen V erlauf desTonstiickes dem grossen Umfang, dem freien Schweifen in viele undfremde Tonarten, sondern wird auch innerhalb der einzelnen Sätzeruhiger und richtet sich gern und oft auf die Schlussakkorde. Wennbisweilen für einzelne Sätze eine entlegne Tonart ergriffen wird,so geschieht dies nicht sowohl, wie im ersten Satz einer Sonate, inkühnem, aber fest vorbereitetem Andringen, und hat eine weitereoder langsam und in Fülle der Ausführung zurückkehrende Modula-tion zur Folge: sondern es geschieht die Ausweichung und dieRückkehr in raschem Zuge, gleichsam ruckweis, so dass das Ganzedie Natur eines Trugschlusses annimmt, nur dass nichtein Paar Akkorde, sondern ein ganzer Salz in den fremden Tongerückt werden.

Der Gang der Melodie, oder vielmehr aller Stimmenwird in Tonfolge und Rhythmus ruhiger, gleichmässiger, we-niger kühn anstrebend, als zur Ruhe führend, weniger scharf ge-gliedert, als verfliesseud; ja, wo in der Hauptstimme schärfere rhyth-misch-melodische Zeichnung eintritt, bildet sich als Begleitung gerneine um so gleichmässiger fliessende Gegenstimme aus.

Nicht alle diese Karakterzüge treffen in jedem Finale zusam-men ; aber man kann sie überall gewahr werden, wo nicht eine ganz