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Fass fassen helfen, bis tieferes Studium und reifere Ansehauungs-und Urtheilskraft weiter führen.
Der erste Satz, wieder vermöge seiner vorzugsweisen Ener-gie, kann, um dem Reichthum und der Vertiefung des schöpferischenGeistes den günstigen Schauplatz zu eröffnen, kaum eine andre alsSonatenform annehmen. Hier ist eine den Rondoformen gleich-kommende oder überlegne Satzerfindung, eine an Einheit nur vonder Fuge überlroffne, an Mannigfaltigkeit sie übertreffende Durch-führung der Gedanken, innerhalb welcher sogar die Fugenform selbernoch Zutritt findet, eine ausgebreitete und doch sinnvoll gehaltneModulation, — kurz nach allen Seiten der günstigste Spielraum füralle Kräfte des Komponisten geboten. Daher wird man unter hun-dert Sonaten und den ihr gleichgestalteten Orchester- und Quartelt-werken kaum eins linden, dessen erster Satz eine andre, als Sona-tenform hätte.
Engere oder leichtere Werke beschränken sich in ihrem erstenSatz auf die S on a ti n e n fo rm. Dies wäre der einzige formelleUnterschied, den wir zwischen Sonate und Sonatine anzugebenwüssten*).
Der zweite Salz nimmt als mittlerer, dann, weil er sich schonvermöge seiner langsamem Bewegung länger bei seinen Gedankenaufhält, in der Regel eine leichtere, einfachere Form an. Biswei-len genügt ihm schon die Liedform, wie wir an Beethoven’s.Fdur-Sonate Op. 10 sehn, die statt des Andante Menuettform (mitTrio) bringt.— Oefter ist zwar der Gedanke der Liedform, nicht aberdie Enge derselben an sich und im Zusammenhang des Ganzen ge-nügend. Dann bietet sich die Form der Variation, die nachHaydn’s Vorgang von Niemand so reich und glücklich ausgebeutetworden, als von Beethoven; wir wollen nur die Gdur-Sonate,Op. 14, und die aus Fmoll, Op. 57, als Beispiel anführen. — W'eithäufiger gestaltet sich aus dem anfänglich ergriffnen Liedsatz eineder kleinen Rondoformen, die sich überall günstig erweisen,wo der erste Satz nicht volles Genügen an sich selber bietet undauch nicht zu der höhern Gestalt der Sonatenform anregt. An derStelle der gewöhnlichen Rondoform kann auch die bereits Th. II,S. 329 aufgewiesne Verbindung von Liedsalz, Fugato und Wieder-holung des Liedsatzes zur Anwendung kommen. Ein Beispiel giebtdes Verfassers E'moll-Sonate (bei Siegel in Leipzig); aus Or-
*) Die Zahl der Sätze bietet sicherlich kein Unterscheidungsmerkmal. Dreider grössten Sonaten von Beethoven, Op. 53, 57 und 111, die erste sogarGrande Sonate genannt, haben nur drei und zwei Sätze. Zwei kleine, leichteWerke von Mozart (Heft 4, No. 3 und 4), deren erste Sätze Sonalinenformhaben, werden vom Komponisten Sonaten genannt. Liszt hat eine grosse So-nate ia ePnem Satze geschrieben; sie ist bei Breitkopf u. Härtel herausgegeben.